Wildkräuter Outdoor Küche

Buchrezension „Wildkräuter Outdoor Küche“

Jennifer Frank-Schagerl kocht im Freien mit 10 gängigen Wildkräutern

„Die Natur bietet uns viel mehr, als wir für möglich halten, und das ist speziell, wenn man draußen unterwegs ist, von großem Vorteil.“ (aus: Wildkräuter Outdoor Küche)

Aus den Ritzen zwischen den Knochensteinen wächst schon wieder Löwenzahn. Wo früher einmal Rasen war, herrscht heute ein Biotop aus Klee, Spitzwegerich und Taubnesseln. Unkraut, wohin das Auge reicht. Schön ist anders. Aber die Insekten lieben es. Und Jennifer Frank-Schagerl hätte hier in meinem Garten auch ihre Freude. Hier findet sie nämlich die wichtigsten Zutaten, die sie in ihrem Kochbuch „Wildkräuter Outdoor Küche“ (Freya Verlag) verarbeitet: Unkraut oder – um es liebevoller auszudrücken – Wildkräuter en masse.

Erntereif: Taubnesseln gibt es in meinem Garten en masse.

Seit ich das Buch der ORF NÖ-Moderatorin zum ersten Mal in meinen Händen gehalten habe, sehe ich mein Biotop vor dem Küchenfenster mit anderen Augen: Es ist die Quelle zahlreicher Mikronährstoffe. Ein kleines Schlaraffenland in Grün, in dem ich mehr ernte als ich säe. Manchmal braucht es für so eine Erkenntnis einen Augenöffner – oder in meinem Fall eine Kräuterpädagogin. Denn Jennifer Frank-Schagerl veranschaulicht in ihrem druckfrischen Buch, was da am Wegesrand bei uns ganzjährig so alles wächst und gedeiht: Vieles davon ist essbar. Vieles davon schmeckt sogar richtig gut. Aber das muss man erst einmal wissen. Mir war das meiste bisher nicht bekannt, geschweige denn hätte ich auf gut Glück einfach mal ein paar Blätter gekaut.

Schnelle sättigende Rezepte für körperlich anstrengende Tage

Das handliche Kochbuch ist für alle gedacht, die viel draußen unterwegs sind, lange Trekking- und Wandertouren zurücklegen oder gerne Campen. Die Outdoor-Küche ist jedoch auch für alle anderen geöffnet: Mit einem Gaskocher, einer Feldküche, einem Lagerfeuer oder einem selbstgebauten Steinofen lassen sich die Rezepte problemlos umsetzen. Bei minimalem zeitlichen Aufwand und ohne viel Schnickschnack. Wer nämlich den ganzen Tag draußen auf den Beinen war, hat in erster Linie eins: Hunger. Und nicht besonders viel Lust, stundenlang den Kochlöffel zu schwingen, noch mal schnell ein paar Zutaten einzukaufen, geschweige denn auf Massen an Geschirr, die es nachher zu spülen gilt. Das ist an der „Wildkräuter Outdoor Küche“ das Schöne: Mit wenig Aufwand und Zutaten lassen sich innerhalb von 30 Minuten leckere einfache Gerichte zubereiten.

Der Spitzwegerich darf sich ruhig weiter bei mir breit machen.

Die Hauptprotagonisten des Buches sind die Wildkräuter. Doch woran erkennt der Laie Giersch, Gundelrebe und Co.? Wie kann er es verhindern, danebenzugreifen? Es ist schließlich nicht alles genießbar, was draußen in der Natur wächst. Jennifer Frank-Schagerl klärt auf: Zehn heimische, gängige Wildkräuter hat sie sich ausgesucht, die sie im Buch ausgiebig porträtiert. Wie sehen Blüten und Blätter aus? Welches Alleinstellungsmerkmal hat die jeweilige Pflanze? Was lässt sich von ihr verwerten? Womit lässt sich ihr Geschmack vergleichen? Und was ist denn alles an Nährstoffen in dem Kraut drin? Danebengreifen funktioniert mit diesen genauen Beschreibungen fast nicht.

„Wir pflücken nur Pflanzen, die wir sicher bestimmen können – und auch nur so viel davon, wie wir benötigen.“

Spannend ist tatsächlich, was so alles in den auf den ersten Blick so unliebsamen Pflanzen steckt. Eiweiße, Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe sind in Wildkräutern enthalten. Häufg sogar um ein Vielfaches mehr als in Kulturgemüse. Wildkräuter sind die reinsten Energiepakete. Es bietet sich an, diese frisch zu pflücken und sie direkt zu verarbeiten. So haben sie keine Gelegenheit zu welken und vor allem gehen so kaum Nährstoffe verloren.

Wildkräuter-Ernte direkt im Garten

Ich bediene mich zum Testen der Rezepte an Schafgarbe, Taubnesseln, Spitzwegerich und Löwenzahn. Die wachsen direkt vor der Tür. Ich muss also nicht erst ins Feld oder in den Wald radeln. Denn so gerne ich die Rezepte der Kräuterpädagogin gerne auch mal beim Zelten ausprobieren würde: Ein Campingurlaub ist aktuell nicht geplant. Also verlege ich bei Nieselwetter das Outdoor-Kochen in die Indoor-Küche. Die Rezepte lassen sich da nämlich genauso gut zubereiten – natürlich mit etwas mehr Komfort und den Vorteilen, die eine Küche so mit sich bringt, zum Beispiel eine größere Gewürzauswahl.

Wildkräuter Outdoor Küche
Statt Unkraut rupfen heißt es jetzt Unkraut ernten.

Doch egal ob das Wildkräuter-Gulasch mit Sojaschnetzel oder etwas Kaltes wie der Wildkräuter-Bohnen-Aufstrich: Die Rezepte kommen tatsächlich mit den wenigen Zutaten und Gewürzen aus, die Jennifer Frank-Schagerl auflistet. Durch den Einsatz der Wildkräuter erhalten die Gerichte nämlich bereits eine besondere Note – je nach Kraut und Menge mal herber, mal pikanter, mal bitterer. Es macht Spaß, mit dem Unkraut zu experimentieren. Schließlich war unsere Beziehung bisher eher einfach: Es wucherte. Und ich entsorgte es. Jetzt schnuppere ich intensiv an dem, was ich aus dem Boden zupfe. Ich knabbere an Blätern und gehe mit dem Sieb in den Garten, um anstelle von Gemüse Unkraut zu ernten.

„Ob wir alleine wandern oder mit Gruppen Camps in der Natur veranstalten, die Natur nährt und versorgt uns gerne mit vielen Vitaminen, Spurenelementen, frischer Energie, und das ganz im Vorübergehen.“

„Wildkräuter Outdoor Küche“ ist ein Buch für alle praktisch Veranlagten. Die Gerichte sind nicht aus der Haute cuisine. Aber das ist auch nicht der Anspruch von Jennifer Frank-Schagerl. Mit ihrem kleinen Wildkräuter-Wegweiser zeigt sie, dass man im Zeltlager oder bei Trekkingtouren nicht auf Ravioli in der Büchse zurückgreifen muss. Die Österreicherin macht bewusst, dass es in der Outdoor-Küche auch gesund geht, selbst wenn große Mengen für eine Gruppe zubereitet werden müssen. Ihre Rezepte sind nicht nur sättigend, sondern auch nahrhaft. Wildkräuterspinat kommt gleichermaßen auf den Tisch wie Giersch-Püree. Spitzwegerich-Röllchen können genauso hübsch aussehen wie Sushi. Und auf Nachtisch muss in der Outdoor-Küche auch keiner verzichten. Und nein, Jennifer Frank-Schagerl ist keine dieser klassischen Kräuterhexen. Sie ist jung und agil. Sie greift mit Wildkräutern zwar ein Thema auf, mit dem sich schon unsere Großmütter auskannten. Aber sie macht es auf eine so hippe ansprechende Art, wie uns Oma und Uroma nie hätten näher bringen können, mal genüsslich von dem zu kosten, was da am Wegesrand wächst.

Wildkräuter Outdoor Küche
  •  Jennifer Frank-Schagerl, Wildkräuter Outdoor Küche
  • 1. Auflage 2019
  • Verlag: Freya Verlag
  • Flexocover, 108 Seiten
  • ISBN: 978-3-99025-370-0
  • Preis: 12,90 Euro (D)

 

Comments (2)

  • Jennifer Frank-Schagerl

    WOW! ich bin sprachlos! Das ist so eine schöne Rezension und so liebe Worte! Danke für deine Komplimente! Ich freu mich riesig! Solltest du weitere Kräuter haben rund um dein Biotop, wo du gerne mal kosten möchtest, kannst du mir gerne auch Fotos von den Kräutern per Mail schicken!

    • Vanessa Schäfer

      Liebe Jennifer,

      vielen lieben Dank für deinen Kommentar. Da geht mir das Herz auf!
      Auf dein Angebot komme ich gern zurück. Hab noch zwei, drei Unkräuter in Massen im Garten, bei denen ich mir absolut unsicher bin, ob sie verzehrbar sind oder nicht. Die Tage habe ich gemäht. Aber es wird sicher nicht lange dauern, bis sie sich wieder blicken lassen. Dann lass ich dir gern Bilder zukommen – bin gespannt!

      Alles Liebe
      Vanessa

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