Augenöffner: Weniger ist bei dieser Messe mehr

„Veggie & frei von“ – Geschmacksprobe für vegane und glutenfreie Ernährung

„Nichts wird die Chance auf ein Überleben auf der Erde so steigern wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung.“ (Albert Einstein)

Werbung – Ein Wiedersehen nach zwei Jahren. Um mich herum wuseln zahlreiche Menschen umher. Sie halten an, stöbern, probieren. Ziehen schließlich weiter. Das bunte Treiben nehme ich wahr und doch bin ich zunächst mit mir selbst und meinen Gedanken beschäftigt. Zuletzt habe ich 2016 die „Veggie & frei von“ auf dem Stuttgarter Messegelände besucht. Jetzt stehe ich wieder in der Halle und mir wird schlagartig bewusst, wie sehr sich mein Leben in den vergangenen zwei Jahren gewandelt hat. Damals war dieser Blog gerade mal ein paar Wochen alt. Ich war noch überzeugter Vegetarier und dachte nicht mal über die Option Veganismus nach. Den Messenachbericht verfasste ich – wie es mein journalistisches Handwerk jahrelang verlangte – sachlich, neutral, wertfrei. Zwischen all den Ausstellern mit ihren veganen und glutenfreien Produkten spüre ich nun die  Entwicklung, die in meinem Leben stattgefunden hat. Es fühlt sich gut an, richtig. Und mit diesem Gefühl im Bauch starte ich schließlich meinen Messerundgang.

Veggie & frei von
Einen tollen Weg Richtung Low Waste weist „Soulbottles“: Kerstin zeigt mir am Stand die Vielfalt der Glasflaschen mit Bügelverschluss, in die man einfach sein Getränk abfüllen kann.

Die „Veggie & frei von“ ist keine reine Veganer-Messe wie etwa die Veganfach in Köln. Dennoch hat sie für Veganer einiges zu bieten. Etwa die Hälfte der Aussteller in der Halle legen bei ihrer Arbeit einen vegetarischen oder veganen Schwerpunkt. Viele ziehen auch in Sachen Zero Waste nach – ein Thema, das diesmal die ganze Messe begleitet. „Wobei das Thema gar nicht so leicht umzusetzen ist“, gesteht Verena Baumann vom Messe-Team. Denn der Sinn von Zero Waste sei schließlich, dass es nichts gibt, was man ausstellen kann. Und doch erkenne ich beim Rundgang die Ansätze vieler Unternehmen, sich einen Schritt mehr in Richtung Zero Waste zu bewegen, die ein oder andere Kochshow setzt sich ebenfalls mit dem Thema auseinander: Müllvermeidung – Kochen mit Resten, was ich inzwischen schon perfektioniert habe. Die besten Gerichte entstehen nämlich meistens dann, wenn man nur noch eine handvoll Zutaten im Haus hat, mit denen man improvisieren muss 🙂 Auch ich bewege mich noch einmal mehr einen Schritt in Richtung Low Waste. Diesmal komme ich nämlich nicht dran vorbei: am Stand von „Soulbottles“. Schon seit zwei Jahren denke ich drüber nach, mir eine der hübschen Öko-Glasflaschen mit Bügelverschluss für unterwegs anzuschaffen. Es ist an der Zeit, mit den Nachdenken aufzuhören und zu handeln.

Aufklärung ist ein wichtiger Bestandteil

Handeln ist auch das, was sich Organisationen wie Greenpeace oder Ariwa auf die Fahnen geschrieben haben, die auf der Messe gleichermaßen vertreten sind wie Öko-Stromanbieter oder ökofreundliche Versicherungen. So toll die tierfreundlichen, veganen, glutenfreien Produkte auf dem Markt auch sind, die Aufklärungsarbeit von Fleischverbrauch auf die Umwelt, Gesundheit und das Tierwohl sind mindestens genauso wichtig. Die „Veggie & frei von“ bietet hier einen Mix aus beidem.

Veggie & frei von
Chill mal! Und zwar mit einem Anti-Stress-Kakao mit Hanf. Die „Chill Choc“ haben Chris und sein Team vor Kurzem auf den Markt gebracht. Sie steht nicht nur im Zeichen von vegan, sondern auch von fair.

„Willst du einen Anti-Stress-Kakao?“, höre ich die Stimme von Chris, der am Stand von „Chill Choc“ steht. Eigentlich bin ich gerade nicht gestresst. Aber seinen Kakao kann man sicher auch dann trinken, wenn es einem gut geht, denke ich mir. Meine Wahl fällt auf die Geschmacksrichtung „Minze & Verbene“ – oh yes, das schmeckt wie After Eight. Das Unternehmen sei noch ganz jung, berichtet Chris. Ich mag die Philosophie, die hinter dem Stuttgarter Startup steckt. Ein Kakaopulver mit fair gehandelten Zutaten, frei von künstlichen Zusatzstoffen und Aromen, auf Basis von Kakao und Hanf. Durch Open-Source-Projekte unterstützt das Unternehmen den Humusaufbau, Bodenschutz und Bildung in den Anbauländern Sri Lanka und Brasilien. Chillen, Schoki trinken und dabei Gutes tun – es gibt wohl kaum etwas, was einfacher ist.

Mut, der mit Erfolg belohnt wird

Auf eine ähnliche Philosophie baut auch Mathis. Ich mag es auf Fach-Messen mit den Ausstellern zu reden. Über ihre Produkte und über Beweggründe, in einem wachsenden Markt voll zahlreicher Mitstreiter den Versuch zu wagen, mit einem neuen Herzensprodukt Erfolge zu erzielen. Ganz ehrlich: Ich wäre nicht mutig genug dazu. Doch genau diesen Mut bewundere ich an Menschen wie Mathis, der mit „Yanns“ einen sündhaft leckeren Schritt in die vegane Schokoladenherstellung gegangen ist. „Eigentlich wollte ich nur meinen Eigenbedarf stillen“, sagt der Bayer schmunzelnd. Als ich in seinen Erdnusshappen beiße, wird mir plötzlich einiges klar: Für den Eigenbedarf ist diese Schokolade eindeutig zu lecker. Die muss an den Mann und die Frau gebracht werden. Und zwar absolut fair: plastikfrei, vegan, ohne E-Stoffe, ohne raffinierten Zucker, ohne Farb- und Konservierungsstoffe, mit fair gehandeltem Edelkakao von Erzeuger Kenny in der Dominikanischen Republik. Fairness in allen Bereichen. Mein Herz hüpft höher bei Begegnungen mit Menschen wie Chris und Mathis, von deren Sorte die Welt eindeutig mehr gebrauchen kann.

Veggie & frei von
Sehen Sie nicht hübsch aus? Mary Quicaño (r.) und ihre Kollegin zeigen auf den ersten Blick, wo die Produkte von „Mary Linda“ ihren Ursprung haben – in Peru.

Wie weit enfernt vom Öko-Image heutzutage Öko ist, wird mir bei einem Rundgang auf der „Veggie & frei von“ wieder einmal bewusst. Es gibt modische Kleidung, Muskelpakete wie Gerald am Stand von „Raw Bite“, natürlich geschminkte Damen wie Jessica am Stand des Frischekosmetik-Herstellers „Ringana“. Kurzum: Das Klischee von Jesuslatschen und blassen langhaarigen Zotteln ist überholt. Öko steht heute für junges, fittes Aussehen, körperliche und psychische Gesundheit und ein gutes Gewissen. Und am Stand von „Mary Linda“ sogar für Farbenfreude, immens gute Laune und südamerikanisches Temperatment. „Ihr seht bezaubernd aus“, kann ich mir das Kompliment nicht verkneifen, als ich Linda und ihre Kollegin sehe: in peruanischer Tracht. Wow! Mary hat die besten Produkte ihrer Heimat in die Stuttgarter Messehalle mitgebracht: Kaffee, Chiasamen, Amaranth, Quinoa, peruanische Superfoods – alles, was bei uns nicht wächst, aber in Veganer-Kreisen gerne konsumiert wird.

Die ewige Liebe zu Knoblauch

Die „Veggie & frei von“ ist wie ein Treffpunkt von Menschen, die dieselben Anschauungen teilen. Es ist für jeden etwas dabei. Ja, an vielen der „Glutenfrei“-Stände gehe ich vorüber, weil ich keinen Fokus auf glutenfreie Ernährung lege. Aber es ist wichtig, dass auch Zöliakie-Betroffenen Möglichkeiten eingeräumt werden, sich beschwerdelos und lecker zu ernähren. Das funktioniert nämlich, wenn man – wie beim Veganismus – erst einmal den Kniff draußen hat. Leckere Cookies von „Alnavit“ machen es zum Beispiel vor. Mit Reismehl von „Komeko“ lassen sich nicht nur Weihnachtsplätzchen backen und die Nudeln von „Seitz glutenfrei“ schmecken nicht nur Gluten-Intoleranten.

Veggie & frei von
Wiedersehen macht Freude: Detlef von der „Knoblauch Räucherei“ ist immer für einen Spaß zu haben – und die Besucher für Knoblauchbrot.

Und dann gibt es da noch eine Begegnung, die ich dir nicht vorenthalten will. Was darf in so gut wie kaum einem Kochrezept von mir fehlen? Richtig! Knoblauch! Die Wunderknollen sind in meiner Küche so wie Nüsse in meiner Backstube: I am totally addicted! Schon von Weitem höre ich in der Messehalle eine Glocke, die mir bekannt vorkommt und bei deren Klang ich mir das Schmunzeln nicht verkneifen kann: Detlef ist also auch wieder da. Er betreibt die „Knoblauch-Räucherei“ und ist ein Original. Bei seinem Knoblauchbrot kann ich kaum widerstehen. Muss ich auch nicht. „Greif zu!“, lädt er mich ein. Und diesmal weiß ich, dass ich nicht ohne den Räucherknoblauch in meiner Messe-Tasche nach Hause gehen werde. So hat auch gleich noch mein ganzes Umfeld etwas von der „Veggie & frei von“ 🙂

Inspiration und Bereicherung

Der Besuch? Absolut lohnenswert. Lange habe ich darüber nachgedacht, ob ich den Weg nach Stuttgart auf mich nehmen soll. Ein Messebesuch kostet immer viel Zeit und Energie. Zumal die Veganfach ja nur wenige Wochen zurückliegt. Aber jetzt im Nachgang bin ich absolut froh und dankbar. Der gute Austausch mit Besuchern wie Ausstellern, die vielen Inspirationen und das Reiten auf einer Wellenlänge suche ich in meinem Alltag und direkten Umfeld oft vergeblich. So ein Messebesuch ist eine Bereicherung – und in diesem Fall für mich sogar der Anstoß eines Gedankenkarussells. Wie sich mein Leben in zwei Jahren verändert hat. Wie zusammen mit dir dieser Blog gewachsen ist. Wie ich auf dieser Seite nach und nach meine journalistische Schreibe abgelegt und Bloggen gelernt habe. Wie aus einem Vegetarier kurzerhand ein Veganer geworden ist. Und vor allem zu welch wichtigem Teil gesunde und tierleidfreie Ernährung in meinem Alltag geworden ist. Weniger Fleisch, weniger Milchprodukte, weniger verarbeitete Produkte – mehr Lebensqualität. Die „Veggie & frei von 2018“ steht für mich deshalb unter der Headline „Augenöffner: Manchmal ist weniger mehr“. Und wer weiß: Vielleicht hat sie auch anderen Besuchern die Augen geöffnet …

Wenn du Lust hast, einen sachlichen Bericht über die „Veggie & frei von“ von 2016 zu lesen, dann klicke einfach mal hier.

Comments (2)

  • Dorle Knapp-KLatsch

    Liebe Vanessa, ich habe deinen Artikel unter meinem Artikel verlinkt, siehe
    https://www.8ung.info/11116/veggie-frei-von-informativ-fur-allergiker
    Vielleicht kommen noch mehr Beiträge hinzu

    • Vanessa Schäfer

      Liebe Dorle,

      vielen lieben Dank für das Verlinken auf meinen Beitrag. Sind wir uns denn auf der Messe über den Weg gelaufen oder wie hast du zu mir gefunden?
      Ihr habt übrigens eine tolle Seite. Großes Kompliment! Da schau ich gern öfter vorbei.

      Liebe Grüße
      Vanessa

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