Jahresrückblick 2020

Das Jahr der Tomatensoße – Jahresrückblick 2020

Im Einklang mit verrückten Zeiten

Wo ist nur die Zeit geblieben? Ist 2020 etwa schon vorbei?! Sieht ganz so aus. Die letzten zwölf Monate sind bei mir gefühlt im Zeitraffer vorbeigezogen. Gerade war es noch Januar und ich hatte das Gefühl, dass das mein Jahr werden würde, und schon ist es Dezember. Und obwohl ich weiß, dass das Corona-Jahr 2020 vieles auf den Kopf gestellt, von jedem einiges abverlangt, unzählige Existenzen gekostet und auch Menschenleben gefordert hat, würde ich dennoch sagen, dass dieses verrückte Jahr in gewisser Weise mein Jahr war – wenn auch anders, als zum Jahresstart zunächst gedacht. Klingt das für dich komisch? Dann lass uns doch zusammen einen Blick zurückwerfen!

Gesundheit

Jahresrückblick 2020
Mehr ich denn je: 2020 hat mir stark dabei geholfen, meinem wahren Ich wieder näher zu kommen.

Erinnerst du dich noch an mein Vorhaben für 2020? 12 Sabbat-Monate wollte ich einlegen, in jedem Monat auf etwas anderes verzichten. Geglückt ist mir das so halbwegs. Ich habe tatsächlich auf vieles verzichtet, auf manches sogar länger als einen Monat. Aber vieles davon nicht beabsichtigt. Denn 2020 hat nicht gerade steil angefangen. Meine selbstauferlegte Quarantäne hat schon angefangen, als das Wort Corona noch gar nicht in aller Munde war: dank einer Gürtelrose im Februar. Ich erlebte die schmerzhaftesten Wochen meines Lebens, zog mich weitgehend zurück. Es waren verzweifelte Wochen. „Glaubst du, dass diese Nervenschmerzen jemals wieder aufhören?“, habe ich damals meinen Freund gefragt, weil ich es für unmöglich hielt. Sie waren einfach immer da. Bei Tag. Bei Nacht. Ich wurde wahnsinnig, wenn man mich nur leicht an der linken Körperhälfte berührte, jedes Stück Stoff auf der Haut eine Qual.

Doch die richtig starken Schmerzen wurden irgendwann weniger stark, ließen, als Corona uns mit aller Wucht erreicht hatte, irgendwann ganz nach. Meiner Genesung hat das Virus gut getan: Mein Alltag wurde entschleunigt. Home Office, keine Pendelei, weniger Verpflichtungen. Viele Stress- und Zeitfaktoren blieben auf der Strecke – meine Gürtelrose war dankbar dafür. Inzwischen schläft sie wieder still vor sich hin. Vieles fühlt sich auf der Haut noch unangenehm an, aber alles andere ist zum Glück Geschichte. Ein paar Monate später kann ich der Krankheit sogar etwas Positives abgewinnen: Sie hat ein Frühwarnsystem in mir hinterlassen. An stressigen Tagen signalisiert sie mir mit einem „Ameisenkribbeln“ unter der Haut, dass ich einen Gang zurück schalten muss. Darauf achte ich, schließlich weiß ich nun, was es wirklich bedeutet, wenn man sagt: „Das geht mir auf die Nerven.“

Achtsamkeit

Jahresrückblick 2020
Tue das, was dir gut tut! Das habe ich 2020 gelernt – und wenn es manchmal nur ein Stückchen Schokolade ist.

Achtsamkeit ist ein gutes Stichwort! 2020 war für mich das Jahr der Achtsamkeit schlechthin. Ich habe sehr viel in mich gehört, sehr viel auf meine Bedürfnisse geachtet. Durch Covid-19 konnte ich diese besser berücksichtigen. Ich kann nicht behaupten, dass mich Corona nicht beeinträchtigt hat. Aber ich habe keine Sekunde lang dem hinterhergetrauert, was ich nicht durfte oder machen konnte. Denn schon im Frühjahr habe ich für mich entdeckt: Alles, was wichtig ist, steckt in dir selbst und kommt aus dir. Und das kann einem mit Regeln und Gesetzen keiner nehmen.

Wer Freiheit für sich so definiert, dass er ans andere Ende der Welt reisen, jederzeit überall shoppen gehen und ständig Party machen kann, hat in meinen Augen wirkliche Freiheit nie kennengelernt, sondern befindet sich auf der Flucht vor sich selbst. Eine Zeit lang hatte ich gehofft, dass die Einschränkungen die Menschen zur Reflexion anregen würden. Dazu, sich mal mit sich selbst auseinanderzusetzen, ihr eigenes Denken und Handeln kritisch zu hinterfragen und entsprechend darauf zu reagieren. Spätestens mit Beginn der ersten Hamsterkäufe hatte ich allerdings den Eindruck: Diese Pandemie ist nicht das größte Problem dieser Gesellschaft…

Introvertiertheit

Jahresrückblick 2020
Tierische Gesellschaft ist mir an vielen Tagen lieber als menschliche.

Man fühlt sich fast ein bisschen schuldig, wenn man zugibt, dass man mit der Lage gut klar kam. Dass man ihr sogar etwas abgewinnen konnte. 2020 war in meinen Augen das Jahr der Introvertierten. Mit introvertiert meine ich nicht schüchtern, zurückhaltend, unkommunikativ. Sondern viel mehr Menschen, die ihre Energie und Kraft aus sich selbst schöpfen und dafür nicht auf ihre Außenwelt angewiesen sind. Einer dieser Menschen bin ich. Um dir mal kurz zu verdeutlichen, was ich meine: Es gibt Menschen, die lieben die Gesellschaft anderer Menschen. Sie füllen im Beisein anderer ihre Energiespeicher, schöpfen daraus ihre Kraft. Sie brauchen ständig Menschen und Programm, um sich lebendig zu fühlen. Das sind die Extrovertierten.

Bei Introvertierten wie mir ist es anders: Ich mag durchaus Gesellschaft, genieße die Zeit mit anderen. Denn diese Begegnungen schenken uns schöne Momente, aber: Sie rauben uns auch Energie. Nach einem Abend mit vielen Leuten bin ich dankbar, wenn ich danach ein, zwei Tage niemanden sehe und einfach Zeit für mich habe. Denn durch diese Zeit für sich tanken Introvertierte ihre Batterien wieder auf. Während mein Umfeld also gejammert hat, wie schlimm die Einschränkungen seien und was man alles nicht machen könne, gab es für den Eremiten in mir 2020 einfach unglaublich viel wertvolle Zeit, in der ich Energie tanken konnte, ohne mich dafür rechtfertigen zu müssen. 2020: Das Jahr der Introvertierten!

Sport

Kaum zu glauben, aber wahr: Durch Corona habe ich tatsächlich ein neues Hobby für mich entdeckt. Lockdown Nummer 1 hat mich wie die Jungfrau zum Kind zum Yoga geführt. Ja… mich. Die mit den Hummeln im Hintern, die keine zwei Minuten mal nichts tun kann. Dachte ich. Inzwischen weiß ich es besser. Geschlossene Sporteinrichtungen haben dazu geführt, dass ich in den Genuss privater Yoga-Stunden gekommen bin. Meine Nachbarin, die nebenher als Yoga-Lehrerin arbeitet, wollte in Übung bleiben. Durch die Arbeit im Home Office fühlte ich mich dagegen Tag für Tag eingerosteter. Und so kam eins zum anderen: Wir machten und machen noch immer einmal die Woche zusammen Yoga. Und ich liebe es! Es sind die zwei Stunden die Woche, die mir allein gehören. Im Sommer haben wir draußen im Garten Sonnengrüße unter freiem Himmel gemacht, lagen zur Abschlussentspannung im Gras und haben eine leichte Brise auf unserer Haut gespürt, die Vögel über uns singen hören. Es war und ist eine tolle Erfahrung! Ich bin so unendlich dankbar für diese Sessions, die mich erden und besinnlich werden lassen.

Jahresrückblick 2020
Schlechte Nachrichten im Sommer: Eine monatelange Auszeit vom Laufen liegt vor mir. Bild: Jörn Wittmann

Noch mehr Dankbarkeit für die Yoga-Einheiten erfuhr ich im Sommer: Wenige Wochen, ehe ich mit einem Bekannten zu zweit einen Halbmarathon ablegen wollte, erreichte mich die Hiobsbotschaft: Laufen verboten. Eine Schambeinentzündung setzte mich und meinen Ausdauersport außer Gefecht. Die Schmerzen dieser klassischen Fußballerkrankheit sind eine Sache, die Psyche eine andere. Wenn ein Läufer nicht mehr laufen darf, kommt das wohl einem Entzug sehr nahe. Die erste Zeit wusste ich nicht, wohin mit meiner Energie. Im Yoga und meinen seither wieder sehr regelmäßigen Workouts habe ich einen kleinen Trost gefunden, um mich fit halten zu können. Dennoch freue ich mich auf die Zeit, in der ich wieder uneingeschränkt laufen und Kilometer rocken kann.

Food-Blog

Jahresrückblick 2020
2020 wird mir immer als das “Jahr der Tomatensoße” in Erinnerung bleiben.

Jetzt geht es ans Eingemachte: Im wahrsten Sinne des Wortes! Wenn ich ein Wort des Jahres für meinen Blog küren müsste, wäre es 2020 eindeutig „Tomatensoße“. Warum? Weil mein Rezept „Einkochen: Tomatensoße auf Vorrat“ im Internet viral gegangen ist. Mit dem Beginn der Hamsterkäufe häuften sich die Suchanfragen und Seitenaufrufe für dieses 2018 veröffentlichte Rezept. 27 Prozent meiner Gesamtseitenaufrufe des Blogs fallen 2020 mit 453.847 allein auf diesen Beitrag. Der Hype begann mit dem ersten Lockdown, der fernab von der Tomatenerntezeit war. Und er erlebte mit der Tomatenernte Ende August/Anfang September seinen absoluten Höhepunkt. Unvorstellbar! Aus Angst, dass es nichts mehr zu essen geben könnte, kochte und kocht bis heute alle Welt Tomatensoße ein. Das lässt mich schmunzeln. Denn ich gebe zu: Ich habe in diesem Jahr kein einziges Glas eingekocht! Dennoch wird mir das Jahr 2020 immer als das „Jahr der Tomatensoße“ in Erinnerung bleiben.

Darüber hinaus  ist – dank dir – dieser Blog in seinem fünften Jahr weiter gewachsen. Ich freue mich, dass ich mit meinen Rezepten und Worten andere inspirieren kann. Dieses für viele sehr harte Jahr einigen schmackhafter machen konnte. Und darüber, sensibilisieren zu können. Ich möchte hier keine kritischen Worte bezüglich der Corona-Politik äußern, das ist hierfür nicht der richtige Rahmen. Doch eins möchte ich anmerken, was ich von der ersten Stunde der Pandemie an vermisst habe: ein offizieller Aufruf, sich selbst und sein Immunsystem zu pushen. Bewegung, frische Luft, gesunde Ernährung, ausreichend Mineralstoffe und Vitamine – darüber wurde so gut wie kein Wort verloren. Vielmehr wurde der Eindruck vermittelt, dass man taten- und machtlos seinem Schicksal ausgeliefert sei. Umso mehr überwältigt es mich, dass viele Leute dennoch aktiv geworden sind und sich selbst informiert haben. Denn mein Beitrag „Leben mit Vitamin-D-Mangel“ wurde ebenfalls sehr häufig aufgerufen und kommentiert. Unendlich viel Überwindung hat es mich gekostet, ihn zu schreiben und mein Schicksal zu teilen. Heute freue ich mich über jedes Feedback darüber, weil es mir zeigt, dass ich anderen Menschen damit helfen kann.

Weiterentwicklung

Jahresrückblick 2020
In der Natur kann ich toll Energie tanken und meine Projekte realisieren.

2020: Vieles wurde ausgebremst und angehalten. Die Uhren sind jedoch nicht still gestanden. Ich auch nicht. Dieses verrückte Jahr hat stark zu meiner persönlichen Entwicklung beigetragen. Viele Gedanken gingen mir durch den Kopf. Viele Dinge wurden durch die Corona-Pandemie plötzlich bedeutungslos. Worauf es wirklich ankommt, das hat mich dieses Jahr gelehrt. Und während die Monate so vorüberzogen, gewann ich immer mehr den Eindruck, mehr und mehr Ich selbst zu sein und in mir zu ruhen. Ja, auf meine persönliche Art habe ich die Zeit genossen und den wohl intensivsten Sommer seit Kindheitstagen erlebt. Dank der Krise! Kurzarbeit und Home Office boten die Gelegenheit, jeden Tag mehrere Stunden im Garten zu verbringen, ja sogar von dort zu arbeiten. In meinem Garten habe ich mir meine Oase geschaffen, in der ich im Einklang mit der Natur sein kann und die ich gerne teile…

Tierschutz

Jahresrückblick 2020
Darf ich vorstellen?! Das ist Hank. Sie teilt sich mit mir den Garten.

… nämlich nicht nur mit meinen beiden Katzen, sondern auch den ganzen Wildtieren, die mich dort besuchen. Mein treuester wilder Begleiter war 2020 Hank, mein Garten-Igel. Wir sind uns zwar nur ein paar Mal live begegnet. Und dennoch weiß ich, dass er jeden Tag da ist. Für einen geruhsamen Winterschlaf habe ich ihm beziehungsweise, wie ich nun weiß, ihr und ihrer Familie ein Häuschen gezimmert. Denn Hank hat dieses Jahr Nachwuchs bekommen. Zwei Igel-Kinder habe ich im Sommer durchs Gras streifen sehen. Wer von ihnen nun ins Igelhaus eingezogen ist, weiß ich nicht. Aber derjenige, der diese heimelige Igel-Luxus-Suite bezogen hat, schlummert ganz bestimmt gerade sehr gut.

Und was noch?

Jahresrückblick 2020
Beim Natur-Detox-Tag haben wir jede Menge wilden Müll gesammelt.

Tja, ich wäre nicht ich, wenn ich nicht heimlich, still und leise 2020 ganz viele Sachen angepackt hätte. Viele Leute wussten mit der vielen Zeit nichts anzufangen. Meine Tage hätten gern noch ein paar Stunden mehr haben können. Es gab einfach immer was zu tun. Ein paar Projekte habe ich angekurbelt, darunter den Natur-Detox-Tag, bei dem wir wilden Müll eingesammelt und umweltgerecht entsorgt haben. Eine Fortsetzung der Aktion ist für das Frühjahr 2021 geplant. Und noch ein paar weitere grundlegende Bausteine für 2021 habe ich in dem Corona-Jahr gelegt. Das für mich bedeutendste und größte Projekt, das mich jede Menge Zeit, Energie und Hirnschmalz gekostet hat, habe ich am 30. Dezember 2020 abschließen können. Um keine Altlasten mit ins neue Jahr zu nehmen, habe ich die Abschlussprüfung für mein Ende 2018 begonnenes berufsbegleitendes Fernstudium abgelegt: Als vegane Ernährungsberaterin starte ich nun ins Jahr 2021 und bin gespannt darauf, wie die Reise nach dem Abschluss weitergeht.

Jahresrückblick 2020
Leicht war es nicht, dieses Jahr. Aber es hat mich unglaublich glücklich gemacht.

Ein alles andere als steiler Jahresstart. Gesundheitliche Einschränkungen. Corona-Pandemie. Die vergangenen Monate verliefen alles andere wie erwartet. Aber unterm Strich kann ich sagen: Es war auf eine merkwürdige Art und Weise mein Jahr. In vielen Bereichen und vor allem bei meiner Reise zum eigenen Ich hat es mich vorangebracht und mir immer wieder gezeigt, wie viele unzählige kleine Dinge es in meinem Leben gibt, die es bereichern und für die ich dankbar bin. So steinig manches auch gewesen sein mag und noch immer ist: Nichts davon möchte ich missen. All das trägt dazu bei, dass ich mich rückblickend auf 2020 sehr mir selbst verbunden und glücklich fühle. So kann die Reise 2021 weitergehen…

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