Halbmarathon

Mein Weg ins Ziel – Halbmarathon CHECK!

Ausdauersport und fleischlose Ernährung – läuft!

Ready, steady, go! Ich habe es geschafft! Meter für Meter. 21,1 Kilometer. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie geflashed ich noch immer bin. Schon zum Jahreswechsel habe ich dir verraten, dass ich Herausforderungen liebe und für 2017 eine ganz besondere ins Auge gefasst hatte: die Teilnahme an einem Halbmarathon. Und pssssst… jetzt verrate ich dir noch etwas: Eigentlich wollte ich bereits vor zwei Jahren, vor meinem 30. Geburtstag, diese Challenge gemeistert haben. Damals hat es nicht geklappt. Jetzt, zwei Jahre später, bin ich zwar bereits als Seniorin gestartet – ja, tatsächlich – aber ich bin gestartet und habe auf meinen eigenen Beinen die Ziellinie überquert: nach 1:42:33.

Halbmarathon
These Boots are made for Walking: Schnüren der Laufschuhe kurz vor dem Start.

Zugegeben, mein Weg zum Ziel war nicht immer leicht. Mal eine Erkältung, mal Probleme mit dem Sprunggelenk. Und du kennst doch sicherlich diesen inneren Schweinehund, oder? Gerade vergangenen Oktober, als ich beschlossen hatte, 2017 beim Baden-Marathon in Karlsruhe zu starten, war es alles andere als leicht, sich zum Laufen aufzuraffen. Herbst. Es war kalt, es war dunkel, es war nass – es war kurzum nicht schön. Der Winter kam, der Winter ging. Mit dem Frühjahr wurde es angenehmer. Die Motivation war größer. Im Gegenzug wurden die Strecken länger, die Trainingseinheiten vermehrten sich, die Feierabendzeit blieb jedoch konstant, weshalb viele andere Dinge – inklusive dem Kochen – etwas zurückstecken mussten.

Proteine? Proteine!

Ja, das Kochen. Das ist so eine Sache. Ob du es nämlich glaubst oder nicht: Die Anzahl der Menschen, die es nicht für möglich hielten, dass ich einen Halbmarathon in meiner Wunschzeit unter 1:50:00 schaffen würde, war größer als die, die an mich glaubten. Warum? Na, weil man doch für so einen Sport Protein braucht. Die Vorstellung, dass auch Vegetarier – ja, selbst Veganer – über eine ausreichende Proteinzufuhr verfügen können, schien vielen fremd. Und das, obwohl ich meine Ernährung während der Vorbereitung gar nicht großartig an das Training angepasst habe. Am Abend vor dem Start gab es Tofu-Chop-Suey mit Reis und gebratenem Gemüse – eine optimale Versorgung an Protein, Kohlenhydraten und Vitaminen. Und als Henkersmahlzeit am Wettkampfmorgen verzehrte ich ein Toastbrot mit veganem Aufstrich auf Erbsenproteinbasis. Aber das war’s auch schon. Ich habe erst eine Woche vor dem Start angefangen, auf Alkohol zu verzichten und weiterhin Schoki, Keks und Co. gegessen, wenn mir danach war. Wenn schon inkonsequent, dann richtig 😉

„Ihr schafft das!“

Halbmarathon
Motiviert beim Start – das Ziel fest im Blick.

Und weißt du was? Es hat nicht im geringsten geschadet! Meine größte Motivation lag mit dem Startschuss einfach darin, das Ziel zu erreichen, das ich mir vor so langer Zeit gesteckt hatte. Ob Trainingsvorbereitung, Proteinzufuhr oder Pasta-Party: In dem Moment spielte nichts eine Rolle, außer der Glaube an mich selbst. In einem Pulk von 8000 Startern lief ich also quer durch Karlsruhe, wo die Menschen am Straßenrand für eine Stimmung sorgten, die uns Läufern einheizte. Von Kindern gebastelte Plakate „Ihr schafft das!“, auf Eimer trommelnde Passanten, groovende Tanzgruppen und mein ganz persönlicher Fan an diesem Tag stachelten zu Höchstleistungen an.

Halbmarathon – ein Kinderspiel? Ganz im Gegenteil. Es war verdammt kalt. Und es gab tatsächlich drei Augenblicke, in denen ich darüber nachgedacht habe, stehen zu bleiben, mich auf den Boden zu legen und abzubrechen. Die erste Hürde lag bei etwa 10 Kilometern, als ein Mitläufer mich antippte, auf die Kilometerangabe am Straßenrand deutete und meinte: „Halbzeit“. Optimist. Mein Gedanke war: „Oh mein Gott, noch nicht mal die Hälfte geschafft und die Beine sind jetzt schon müde.“ Ich lief jedoch weiter. Warum? Weil ich mir sagte: „Stell dich nicht so an, selbst im Training legst du größere Strecken zurück.“ Meinen persönlichen Tiefpunkt erlebte ich dann bei Kilometer 14. „Erst zwei Drittel geschafft. Du hast immer noch ein Drittel vor dir“, ging es mir durch den Kopf. Badewanne, Bett, warme Decke. Mein Körper rief mir zu: „Warum tust du dir das eigentlich an?“ Mein Geist antwortete: „Shut up.“ Und so schafften wir – also Körper und Geist – wenn auch nicht im Einklang die nächsten Kilometer. Bis Kilometer 18. Hier meldete sich wieder die innere Stimme, die alles wollte, nur nicht weiterlaufen. Und ein letztes Mal ging ich mit mir hart ins Gericht: „Jetzt hast du so lange daraufhin gearbeitet. Da kannst du nicht so kurz vorm Ziel alles hinschmeißen. Heulen kannst du auch noch in drei Kilometern. Also kneif ein letztes Mal für heute die Arschbacken zusammen.“ Genau das habe ich daraufhin getan.

Vom Glauben an sich selbst berauscht

Halbmarathon
Meter für Meter rücke ich dem Ziel näher.

Es war eine gute Entscheidung. Der Countdown am Wegesrand auf dem letzten Kilometer, der mit Kreide bemalte Feldweg voller Motivationssprüche, der ohrenbetäubende Empfang beim Zieleinlauf in der Messehalle. Ja, der Endspurt war überwältigend. Einer dieser Höhepunkte im Leben, wie es sie viel zu selten gibt. Als die Stoppuhr mit dem Überqueren der Ziellinie verriet, dass ich mein persönliches Ziel getoppt hatte, war ich selig. Es fühlte sich an wie ein Rausch. 21,1 Kilometer. Zurückgelegt mit meinen eigenen (kurzen) Beinen. Als Seniorin zwar, aber als eine, die im Laufe des letzten Jahres eines gelernt hat: Du kannst alles schaffen, wenn du nur an dich glaubst.

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