Heißer Flirt mit altem Bock an meinem 33. Geburtstag

Geburtstagsabstecher zum Gnadenhof: Wo Tiere in Würde altern dürfen

Werbung – Manchmal muss es einfach die fette Sause sein: mit voller Bude, Halligalli, Heiterkeit, lauter Musik und Spaß ohne Ende. Manchmal darf es aber auch ein bisschen ruhiger sein. Jetzt zum Beispiel. Turbulente Monate liegen hinter mir. Monate mit einem großen Rucksack voll Sorgen. Monate der emotionalen Achterbahnfahrt. Monate der Ungewissheit. Sechs lange Monate. Kurz vor meinem Geburtstag dann endlich das Aufatmen: Es geht bergauf. Den großen Rucksack voll Sorgen schüttle ich ab. Ich fühle mich ein bisschen wie neu geboren. Und ich bin dankbar: So dankbar, dass ich an meinem 33. Geburtstag nicht selbst verwöhnt werden will, sondern selbst etwas Gutes tun möchte. Kombiniert mit Ruhe. Am liebsten da, wo ich mich am wohlsten fühle: in der freien Natur.

Gnadenhof
Haddu Mööööööhren?

Es ist der 23. Februar 2019: Mein Freund und ich sitzen im Auto und fahren durch die schwäbische Provinz. Die Sonne scheint: 15 Grad und so heiteres Wetter hatte ich noch nie an meinem Geburtstag. Wir lassen einen Ort nach dem nächsten hinter uns. Es geht serpentinenartig die Berge hoch. Murrhardt ist unser Ziel. Denn dort wartet meine Geburtstagsgesellschaft auf mich: Esel, Ziegen, Schafe, Hühner und Co. Wir steuern auf den Gnadenhof beim Heuhotel Murrquelle zu, den Martina Theurer betreibt. Tierische Gesellschaft ist mir dieses Jahr lieber als menschliche.

Einmal einen Gnadenhof besuchen … CHECK!

Über einen Freund habe ich von diesem Fleckchen Erde erfahren. Als Kind habe ich immer davon geträumt, mal auf einem Bauernhof zu leben. Der Wunsch ist nie in Erfüllung gegangen. Doch einmal in meinem Leben einen Gnadenhof besucht zu haben – den Punkt wollte ich auf meiner Agenda unbedingt abhaken. Done!

Gnadenhof
Ich wollt, ich wär ein Huhn…

Ich bin beeindruckt von dem Anwesen und noch beeindruckter von der Arbeit, die Martina Theurer und der Förderverein Gnadenhof Murrquelle hier leisten. In jedem Winkel des Hofes ist so viel Fürsorge und Liebe sichtbar. Liebe für die Tiere, die hier in Würde altern dürfen. Und das tun sie: Sie hinken, sie haben Arthrose, das Fell ist grau und matt – sie kämpfen mit denselben Alterserscheinungen wie wir Menschen. Aber sie sind am Leben und genießen ihre letzten Jahre in dem tierischen Seniorenparadies.

Schicksale bleiben außen vor

Welches Schicksal die einzelnen Tiere mit sich herumtragen, weiß ich nicht. Weil ich mich an meinem Geburtstag nicht runterziehen lassen möchte, mache ich mich auch nicht schlau. Vielleicht ist der ein oder anderem dem Schlachter entkommen. Vielleicht war das Schicksal eines der Hühner mal eine Legebatterie. Ich weiß es nicht, aber es ist mir in diesem Moment auch nicht so wichtig. Viel mehr genieße ich die Gesellschaft. Ganz besonders ein Ziegenbock hat es mir angetan: Kaum hat er einen Blick auf mich erhascht, folgt er mir auf Schritt und Tritt. Der alte Bock flirtet mit mir, was das Zeug hält. Er lässt sich graulen, genießt die Zuwendung und schlabbert genüsslich an meinem Mantelärmel, Mantelsaum, Mantelgürtel. Er hat mich offenbar zum Fressen gern und ist auf der Suche nach eben diesem. Und ich bin mit leeren Manteltaschen da… shame on me. Der Apfel liegt im Auto.

Gnadenhof
Schafe zählen…

Hühner und anderes Federtier kreuzt unseren Weg. Es ist schön zu sehen, wie gut es ihnen geht. Und vor allem: wie groß sie sind. Ich bin zwar ein Kind vom Land und weiß, dass Kühe nicht lila sind. Aber auch die Tiere auf dem Land erreichen kaum ihr Erwachsenenalter. Das wird mir bewusst, als ich die ausgewachsenen Senioren-Schafe und -Ziegen sehe. Sie sind groß. Richtig groß. Wie Ponys. Das macht mich glücklich. Wir beobachten die Tiere eine Weile. Es macht Spaß ihnen zuzugucken, wie sie ein völlig natürliches Verhalten an den Tag legen und einfach sich selbst sind. Mit all ihren Gebrechen. Mit all ihren Schicksalen. Mit all ihrer Vergangenheit. Eine schönere Geburtstagsgesellschaft hätte ich mir kaum vorstellen können.

Candle-Light-Dinner in „Gajas Welt“

Gajas Welt
Vorspeise: Zweierlei Hummus mit Oliven und Brot.

Um eine Spende leichter lassen wir ganz in der Nähe den Abend ausklingen: „Gajas Welt“ heißt das tolle vegane Lokal, das Claudia Bihlmaier führt und das wir gezielt ansteuern. Vor einigen Jahren war das Restaurant noch ein klassischer schwäbischer Gasthof in dem kleinen Örtchen Ebni im schwäbischen Wald, unweit vom Ebnisee entfernt. Claudia hat den Familienbetrieb, das „Schwobastüble“, vor einiger Zeit veganisiert – ein mutiges Unternehmen in einem so kleinen Nest. Doch sie macht es aus Überzeugung. Der „Naturschutz mit Messer und Gabel“ liegt ihr am Herzen: Und genau diesen unterstützt sie mit ihrem Restaurant.

Gajas Welt
Genießen kann ich… erst recht an meinem Geburtstag.

Als ich Claudia auf der „Veggie und Frei von“ in Stuttgart kennengelernt habe, wusste ich, dass sich unsere Wege wieder kreuzen würden. Am Geburtstagsabend schlemmen wir bei ihr und genießen die Zweisamkeit bei Kerzenschein. Die Speisekarte wechselt bei „Gajas Welt“ regelmäßig – und sie macht es einem Veganer verdammt schwer, sich zu entscheiden. Wir nehmen das volle Programm: Aperitif, Vorspeise, Salat, Hauptgericht und Nachtisch. Alles ist sehr appetitlich angerichtet. Alles schmeckt richtig fein! Wir lassen kein Krümelchen auf den Tellern zurück – nicht einmal die Salatgarnitur. Ja, ich bin ein kleiner Gourmet. Aber ich muss ehrlich zugeben: So gut habe ich schon lange nicht mehr gegessen. „Gajas Welt“ ist zwar zwei Autostunden von meinem Heimatort entfernt. Doch kombiniert mit dem Abstecher zum Gnadenhof war der kleine Geburtstagstrip mit kulinarischen Abenteuern jeden Kilometer wert. Denn manchmal darf es an solchen Tagen auch ein bisschen ruhiger zugehen. Der richtige Zeitpunkt für solche Augenblicke ist genau … jetzt.

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