Sophia Hoffmann

„Kochen ist was von Grund auf Weibliches: nährend, stärkend…“

Interview mit der veganen Kitchen-Queen Sophia Hoffmann

Erst DJane, dann Vegan-Köchin: Sophia Hoffmann ist eine Frau mit vielen Facetten. Doch egal, was sie tut: Sie tut es mit Leidenschaft. Wenn sie vor der Kamera in bunter Schürze ein Menü zaubert, ihre YouTube-Zuschauer sie auf den Wochenmarkt begleiten dürfen oder man einen Blick in eines ihrer Kochbücher wirft: Diese Frau hat eine super sympathische Ausstrahlung, ihr Lächeln ist ansteckend. Und ihre kreativen Kochideen auch: Denn abgesehen von tierischen Produkten gibt es in Sophias Küche keine Tabus. Die Vegan Queen jongliert mit Farben, Formen und Themen und verleiht ihren Gerichten eine ganz eigene weibliche Note. Warum man mit Essen durchaus spielen darf, weshalb Frauen der Gastronomie gut tun und für wen die Wahl-Berlinerin gerne mal kochen würde, verrät sie im Interview.

„Mit Essen spielt man nicht“ wird einem als Kind immer nahegelegt. Du zauberst lila Brot, Blumenkohlschäfchen und kreierst David-Bowie-Menüs: Warum gehst du mit spielerischem Ansatz ans Kochen heran?
Sophia Hoffmann: Ich bin einfach ein verspielter Mensch. Kreativer Output fällt mir leicht, es ist eher so, dass ich schnell nervös werde, wenn ich nicht spiele. Kochen ist mein Ventil! Und wenn ich dann anderen Menschen auch noch eine Freude damit mache – umso besser. 

Sophia Hoffmann
Spaß am fleischlosen Kochen: Sophia Hoffmann lebt seit fünf Jahren vegan. Bild: Zoe Spawton/Edel Books

Du lebst seit knapp 5 Jahren vegan. Wieso hast du dich für die vegane Lebensweise entscheiden?
Sophia Hoffmann: Ja, seit etwa 5 Jahren. In den letzten Jahren habe ich sehr viel Zeit damit verbracht, Menschen zu erklären, warum ich vegan lebe und warum das eine der besten Entscheidungen meines Lebens ist. Manchmal bin ich dessen müde, denn wir alle kennen die Gründe, sie liegen auf der Hand. Wir wissen, dass es für unseren Planeten, unsere Gesundheit und für andere Menschen und Lebewesen besser wäre, so wenig tierische Produkte wie möglich zu konsumieren. Fakt. Jedes Schnitzel weniger bedeutet ein glückliches Schweinelachen.

Du sprichst von dir selbst als das „personifizierte schlechte Gewissen“ der Menschen. Wie meinst du das und wie äußert sich das?
Sophia Hoffmann: Damit meine ich die häufige Reaktion, die ich oder andere Menschen, die vegan leben, bekommen: Der/die Gegenüber gehen dann gerne gleich in die Defensive – à la “ich esse ja nur ganz selten Fleisch und wenn dann nur bio…”, obwohl man gar nichts gesagt hat. Da viele Menschen wissen, dass da in der Tierindustrie alles falsch läuft, haben sie automatisch das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen.

In der Vergangenheit hast du viel Zeit in Bayern und in Wien verbracht – dort wo die Küche als besonders herzhaft gilt. Gibt es ein Fleischgericht aus dem Süden, an das du heute noch gerne denkst? Wenn ja, welches?
Sophia Hoffmann:
Bevor ich Veganerin wurde, habe ich mich ja vom Fleischesser zum Vegetarier gewandelt. Anfangs lockte mich der Geruch von Grillhenderl und Schweinebraten noch, aber alleine der Gedanke, Fleisch zu essen, ist mir mittlerweile so fremd, ich habe mich komplett entwöhnt…

Die Kochszene ist von Männern dominiert. Du mischst da den Laden mit einer weiblichen Note auf. Wie begegnen dir die männlichen Köche?
Sophia Hoffmann: I
ch möchte hier weder verallgemeinern noch männliche und weibliche Köche in Schubladen stecken. Fakt ist, alle Strukturen der Gastronomie sind patriarchal aufgebaut. Es geht um Härte, Hierarchie, Wettbewerb – auf gut deutsch: Schwanzvergleich. Das Recht des Stärkeren. Das finde ich doof, damit kann ich nichts anfangen. Dabei ist Kochen etwas von Grund auf Weibliches: nährend, stärkend…

Ich wünsche mir einen Paradigmenwechsel, ein Umdenken, ein Sich-Fragen “Warum arbeiten so wenige Frauen als Köchinnen?”, nicht immer dasselbe “du musst super hart sein, um da zu überleben”. Man kann Hierarchien flacher gestalten, Arbeitsbedingungen sozialer und familienfreundlicher denken und Anreize schaffen, Frauen in der Gastro stärker zu etablieren. Es steht nirgendwo in Stein gemeißelt, dass cholerisches Verhalten, Mobbing und Übergriffigkeit die einzigen Formen sind, wie professionelle Gastro funktionieren kann. Das unterschreiben auch viele männliche Köche und Unternehmer…

Diesbezüglich hatte ich ein persönliches Schlüsselerlebnis: Vor zwei Jahren kochte ich in Wien mein 7-gängiges Game-Of-Thrones-Dinner für 45 Gäste. Einer meiner zwei Helfer war ein gelernter Koch. Am Ende eines schweißtreibenden Abends mit komplizierter Menüfolge machte er mir das schönste Kompliment: „Ich habe noch nie so entspannt für so viele Gäste gekocht!“

Wenn man den Begriff „Gastronomin“ googelt, bekommt man angezeigt: „Meinten Sie Gastronom?“ Ich möchte, dass sich das ändert. Ich hoffe, dass es künftig für Frauen attraktiver wird, Gastronomin zu sein.

Wenn du die Wahl hättest, für einen Prominenten deiner Wahl zu kochen: Wen würdest du am liebsten an den gedeckten Tisch einladen? Welches Menü würdest du ihm auftischen?
Sophia Hoffmann: Ich würde sehr gerne einmal für Sarah Wiener kochen. Manche ihrer Aussagen bezüglich Veganismus ärgern mich sehr, manchmal liegt es auch daran, dass Interviews in Medien so wiedergegeben werden, dass sie besonders provokant rüberkommen und Veganer-Bashing bringt einfach Klicks. Wir sind grundsätzlich total auf einer Wellenlänge, was bewussten Konsum und Nachhaltigkeit betrifft, aber oft wirkt es so, wie bei vielen anderen Menschen auch, als würde sie pflanzliche Ernährung nur auf Ersatzprodukte futtern reduzieren, was totaler Quatsch ist und in keinster Weise meiner Küche entspricht.

Erst kürzlich habe ich einen Tofu-Workshop bei den TofuTussis in Berlin gemacht und es ist geradezu TRAGISCH, dass ein Produkt mit Jahrtausende alter Tradition in Asien bei uns als langweiliger, gar gesundheitsschädigender Fleischersatz-Brocken abgestempelt und zusammen mit Soja-Schnetzel in einen Topf geworfen wird. Das ist schlichtweg ignorant und zeugt von großem Unwissen. Ich würde Frau Wiener gerne kulinarisch um den Finger wickeln…

Sophia Hoffmann
Spielerische Herangehensweise ans Kochen: Sophia Hoffmann mag es in der Küche gerne bunt. So gibt es schon mal lila Brot. Bild: Zoe Spawton/Edel Books

Blick in deinen Küchenschrank: Welche 5 Küchenzutaten sollten deiner Meinung nach immer im veganen Haushalt verfügbar sein? Warum gerade diese?
Sophia Hoffmann:
Immer zuhause habe ich:
Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen, Kichererbsen): Entweder weiche ich sie selber ein und koche sie im Schnellkochtopf oder – wenn es schnell gehen muss – habe ich auch mal vorgekochte Kichererbsen im Glas da, aus der Aquafab-Flüssigkeit mache ich dann Mayo oder Schokomousse!

Nüsse und Samen (hier gibt es kostengünstigere und teurere, für jeden Geldbeutel): Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Sesam, Walnüsse, Haselnüsse, Cashewkerne, Mandeln, Hanfsamen… Die esse ich pur, zu Müsli/ Porridge/ Smoothiebowl , (geröstet) auf Salate und Gemüsebowls oder ich verarbeite sie weiter zu Mandelmilch, Cashewnuss Sourcream und Mandelfeta.

Öle: Kaufe niemals das billigste und minderwertigste Olivenöl, das es im Supermarkt gibt. Vor ein paar Jahren kam eine Studie zu dem erschreckenden Ergebnis, dass der deutsche Durchschnittskonsument mehr Geld für sein Motoröl ausgibt als für sein Speiseöl. Denk daran: Du bist, was du isst. Nicht nur, dass du damit ein minderwertiges Lebensmittel konsumierst, das keinen gesundheitlichen Mehrwert birgt, du unterstützt damit auch die Machenschaften einer Industrie, die mit Panscherei und Etikettenschwindel Millionen verdient. Erkundige dich nach Gütesiegeln und Herkunft. Benutze hochpreisige Öle wohl dosiert als Geschmackszutaten und günstigere Öle, wie regionales Bio-Sonnenblumenöl, zum Anbraten. Beim Öl sparen heißt am falschen Ende sparen. Wenn du ein beschränktes Budget hast, spare lieber, indem du saisonales Gemüse kaufst und viel mit Hülsenfrüchten kochst.

Faustregel: Aromatisierte/hochpreisige Öle nach Möglichkeit immer in kleinen Mengen kaufen. Empfindliche Öle wie Kürbiskern- oder Leinöl im Kühlschrank lagern. Häufig verwendete Öle wie Olivenöl/Rapsöl/Kokosöl in größeren Mengen kaufen. Oft bekommt man sie so billiger. Preisvergleich lohnt sich.

Gewürze/Salze/Pfeffer: Sie machen die pflanzliche Küche noch spannender. Manche Lebensmittel haben von sich aus einen so tollen Eigengeschmack, dass sie fast keine Würze benötigen. Schwarzer Reis, Hülsenfrüchte, Quinoa, reife Tomaten, knackige Karotten, frische Früchte. Doch wenn man Gewürze, Salze und Öle gezielt benutzt, kann man damit fantastische Akzente setzen und den natürlichen Geschmack noch besser unterstreichen.

Trockenfrüchte: Ob fürs süße Frühstück, zum Naschen zwischendurch oder als Grundlage für Raw Cakes oder Energy Balls. Beste Süßigkeiten-Alternative. Und gesund dazu.

Erst die Plattenteller, jetzt die Küchenteller… mit welchen Tellern wirst du in Zukunft spielen? Welche Projekte schweben dir vor?
Sophia Hoffmann: Ich habe große Lust noch mehr vor der Kamera zu kochen. Auch ein eigenes Lokal steht auf der Lebens-To-Do-Liste. Und ich würde gerne mehr mit Kindern kochen.

Vervollständige zum Schluss bitte den Satz: Kochen ist für mich…
Sophia Hoffmann: …meine große Leidenschaft. Ich liebe es, anderen Menschen mit meinen Büchern, Rezepten und Gerichten ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern!

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