Fastenzeit

Mamas Schnapsidee zur Fastenzeit (1)

Oder: Wie ich Teil eines 40-tägigen Selbstversuchs werde…

Und dann stand sie plötzlich im Raum, diese Schnapsidee. Nicht auf meinen Mist gewachsen, aber mich unmittelbar betreffend. „Ich habe mir überlegt, während der Fastenzeit Fleisch zu fasten und bei dir zu essen, um mir vegetarische Kochideen zu holen“, sprach’s am Telefon. Die Kinnlade ist mir bei dieser Aussage sicherlich ein Stück weit nach unten gerutscht. Aber es gibt da ein ungeschriebenes Gesetz: Widerspreche nie deiner Mutter. Und so hörte ich mich „Ähm, okay, ja, gute Idee“ sagen – und war ungewollt Teil dieser fixen Idee.

Warum mich Mamas Pläne im ersten Moment so überraschten, kommt nicht von ungefähr. Es gibt zum einen größere Befürworter meiner Ernährungsweise als meine Mutter – sie hat sich mehr oder weniger damit arrangiert, ohne meine Gründe dafür zu verstehen. Zum anderen ist die Fastenzeit mit 40 Tagen ziemlich lange. Kurzum, ich hatte und habe noch immer meine Zweifel, ob uns dieses Experiment gelingen wird, ohne uns in die Haare zu kriegen. Denn so sehr Mama und ich uns mögen: Die Zeit, als wir uns jeden Tag gesehen haben, liegt fast 15 Jahre zurück – und ich glaube, wir wissen inzwischen beide, dass uns ein bisschen Abstand hin und wieder ganz gut tut.

So rüsten wir uns für den Start

Fastenzeit
Gesunder Snack als Alternative für Süßigkeiten: Müsliriegel.

Doch nachdem der erste Schock verdaut war, wurde mir noch etwas anderes bewusst: dieses enorme Vertrauen, das meine Mama mit ihrer Idee in mich setzt. Trotz allem Abstand zu meiner fleischlosen Lebensweise verbindet sie mit Vegetarismus offenbar einen gesünderen Lebensstil, will diesen ausprobieren und ist sich sicher, dass es mir gelingen wird, sie ohne irgendeine Form von Ernährungsmangel durch ihr Experiment zu begleiten. In diesem Zusammenhang muss ich dir noch verraten, dass es bei diesem Selbstversuch von Mama nicht um bloßen Verzicht geht. Viel mehr hofft sie, durch den Verzicht von Fleisch ihrer Arthrose etwas Gutes tun zu können und vielleicht sogar das ein oder andere Pfund abzulegen. Aufgrund der Tatsache, dass sie parallel noch Süßigkeiten und Alkohol fastet, halte ich das sogar für möglich.

Und so ging es schon vor Aschermittwoch an die Vorbereitungen: Ich deckte Mama mit ein paar Basics wie Nüssen, Leinöl, roten Linsen, vegetarischem Brotaufstrich und Vitamin B12 ein. Im Gegenzug recherchierte sie eifrig und verbreitete ihre Absichten im Bekanntenkreis, was ihr Motivation, Kopfschütteln und einen Anreiz zur Selbstdisziplin einbrachte. Den Sonntag vor Rosenmontag nutzten wir dazu, Vorkehrungen zu treffen. Für einen ballaststoffreichen Start in den Tag bereiteten wir meiner Mama Crunch-Müsli zu. Um für den Fall „Appetit auf was Süßes“ gerüstet zu sein, backten wir gemeinsam Müsliriegel.

Türöffner in eine unbekannte kulinarische Welt

Dann war der Beginn der Fastenzeit auch schon da – und damit meine Mama in meiner Küche. Um nicht gleich von 0 auf 100 zu gehen, gab es für Tag 1 ein vegetarisches Gericht, auch wenn ich mich inzwischen zu über 75 Prozent vegan ernähre. Entschieden hatte ich mich für eine Polenta mit Provence-Gemüse, überbacken mit Parmesan – und dazu ein gemischter Salat. So glückte uns ein guter Start in das 40-tägige Experiment. Mama war begeistert und total erfreut, Bekanntschaft mit Polenta gemacht zu haben.

Fastenzeit
Mit der Provence-Polenta fällt der Startschuss für das Experiment.

Die Ergebnisse ihres Versuchs hält sie übrigens fest. Ich bin stolz darauf, dass sie dieses Experiment wagt, und hoffe, dass 40 Tage reichen, um ihr vor allem die gesundheitlichen Vorzüge der vegetarischen Ernährung aufzuzeigen beziehungsweise sie sie selbst spüren zu lassen. Ein Ziel habe ich mir für diese Zeit übrigens auch gesteckt: Ich will Mama an Zutaten heranführen, die sie bisher nicht kennt. Und ich will zuschauen, dass sich unser Speiseplan im Laufe der sechs Wochen nicht wiederholt. Denn Vegetarismus ist nicht mit Verzicht verbunden. Es ist vielmehr der Türöffner in eine zwar unbekannte, aber bunte, gesunde und abwechslungsreiche Welt – und ich bin froh, jemandem anderen diese Tür zumindest für 40 Tage offen halten zu können.

P.S. Über den Verlauf und den Ausgang des Experiments werde ich dir auf jeden Fall berichten.

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