Rezension "Die klimafreundliche Küche"

Buchrezension “Die klimafreundliche Küche”

 Mitmach-Buch von Monika Röttgen zeigt Wege für “Cooking for Future”

Welche Zutaten braucht es für einen Wandel auf dem Teller? Wie hängt das Klima überhaupt mit unseren Essgewohnheiten zusammen? Und mit welchem Geheimrezept kann ein jeder von uns etwas tun, damit die Klimaküche nicht überkocht? Diese und viele weitere Fragen beantwortet Monika Röttgen in ihrem Buch “Die klimafreundliche Küche” aus dem Freya-Verlag. Cooking for Future ist in diesem Buch angesagt, das alles andere als ein Kochbuch ist. Es ist ein Buch zum Schmunzeln, ein Buch zum Nachdenken. Es ist Unterhaltung und Ratgeber in einem. Es lädt zum Umdenken, aber auch zum Kochen ein. Es lässt reflektieren und grübeln. Ein spielerisches Buch voll Informationen, das zum Mitmachen und Verändern animiert.

“… Dabei geht vor allem um die Tatsache, dass fast 40% der weltweiten Treibhausgase mit unserer Ernährung zusammenhängen. Das ist etwa die gleiche Größenordnung wie der CO2-Ausstoß in Sachen Mobilität.”

Rezension "Die klimafreundliche Küche"
Welcher Klimafreundlich-Küchen-Typ du bist, kannst du mit dem Buch leicht herausfinden.

Schon der erste Blick auf und ins Buch zeigt, wie viel Liebe und Kreativität die Autorin in dieses Werk gesteckt hat. Tolle Illustrationen, häppchenweise dargebotene Informationen und kleine Gimmix machen unglaublich viel Spaß, “Die klimafreundliche Küche” in die Hand zu nehmen. Obwohl das Thema ernst ist, erweckt es beim Lesen auf keiner Seite einen staubtrockenen Eindruck. Ganz im Gegenteil: Ja, der Klimawandel ist da, und ja, wir tragen mit dem, was wir auf unsere Teller legen, mehr oder weniger dazu bei. Doch Monika Röttgen würzt dieses kritische Thema mit einem pfiffigen, mitreißenden Schreibstil. Sie hält nicht drohend die Suppenkelle in die Luft, um den Leser für sein Essverhalten zu rügen. Nein! Sie tischt stattdessen nach und nach in kleinen Portionen Ideen auf, was und vor allem wie man es anders machen kann.

“Wir könnn nicht unsere vertrauten Mahlzeiten und zugleich unseren vertrauten Planeten behalten. Eins davon müssen wir aufgeben. So einfach und so schwierig sieht es nun mal aus.” (Jonathan Safran Foer)

Klimakiller tümmeln sich in unseren Küchen

Aufgebaut ist das Buch in neun schmackhafte Kapitel, die sich wie eine Speisekarte lesen: Da tauchen “Faktensnacks”genauso auf wie “Sättigungsbeilagen”. “Aperitif” und etwas “Zum Verdauen” dürfen nicht fehlen. Hinter dieser kreativen Wortwahl verbergen sich gründlich recherchierte Informationen und Fakten. In einem Kapitel erfährt der Leser, was die Herderwärmung mit der Erderwärmung zu tun hat. In einem anderen zeigt Monika Röttgen auf, welche Klimakiller sich in der Küche tummeln. An einer Stelle kommt sie darauf zu sprechen, warum unsere Tropen-Exoten der Erde nicht so gut schmecken (Klima-Flops, z.B. die Avocado), an einer anderen kommen jede Menge klimafreundliche Alternativen auf den Tisch (Klima-Tops, z.B. Linsen). Die Autorin liefert Rezeptanregungen, zeigt, inwieweit die Küche unserer Großeltern heute wieder “in” ist. Sie regt zu DIYs an und stellt eine Öko-Bilanz von Verpackungsmaterialien auf. Kurzum: “Die klimafreundliche Küche” enthält von allem etwas, was für die nachhaltige, gesunde, mit dem Gewissen vereinbarende und ökologische Küche wertvoll ist.

Wasser, Fläche, Transport: Autorin zieht Bilanz

Rezension "Die klimafreundliche Küche"
Reise um die Welt: So weit geht die klimafreundliche Küche.

Ertappt! Dieses Gefühl erhält der Leser bei der Lektüre häufiger. Denn egal, wie gering der ökologische Fußabdruck sein mag, den man hinterlässt: Es gibt immer noch etwas auf dem Speiseplan, das fürs Klima nicht so astrein ist. Sei es das Gläschen Wein am Wochenende (1 Liter Wein erzeugt etwa 2 kg CO2), die Ananas, die alle paar Wochen im Einkaufswagen landet oder die Chiasamen, die das Müsli erst rund machen. Doch Monika Röttgen belehrt nicht. Sie informiert und liefert brauchbare Alternativen – und zwar welche, die direkt vor der Haustür wachsen (Wie wäre es mit Muckefuck statt echtem Kaffee?!), aber auch welche, die klimafreundlicher von Übersee zu beziehen sind. “Saison und Regionalität sind stets Trumpf. Stimmt auch, bloß nicht immer. Die Sache mit der Ökobilanz kippt nämlich, wenn die Lagerung – sagen wir mal von Äpfeln – mehr Energie verbraucht als der Transport von der Südhalbkugel über den halben Erdball”, spielt Monika Röttgen etwa auf die Äpfel aus Neuseeland an, die wir im Supermarkt finden.

“Insgesamt ist der Energieaufwand von Obst und Gemüse, das außerhalb der Saison angebaut und verzehrt wird, bis zu 100-mal höher als der saisonaler Angebote.”

Rezension "Die klimafreundliche Küche"
Das sind die Zutaten des Klimafreundlich-Regenbogens.

“Die klimafreundliche Küche” ist kein Veganer- oder Vegetarier-Buch. Doch aufgrund der Thematik schließt pflanzenbasierte Kost auch in diesem Werk den Kreis. Denn Viehzucht/-mast und klimafreundlich schließen einander aus. Der Umweg über das Tier ist im Energiekreislauf ineffizient. 85% bleiben auf der Strecke. In ihren “Dirty 70” greift Monika Röttgen das Problem mit dem enormen Flächenverbrauch gegenüber dem Ertrag auf:

  • 70% aller Agrarflächen auf der Erde sind Weideland.
  • 70% davon benötigen wir für die Erzeugung von Futtermitteln fürs Vieh.
  • 70% der Treibhausgase haben ihre Ursache in der Tierhaltung.
  • 70% entfallen dabei auf die Herstellung von Milch und Rindfleisch.

Reflexion des eigenen Verhaltens

Das Mitmach-Buch lässt nichts aus. Es hält uns den Spiegel vor, aber nicht so, dass es weh tut. Man stellt sich beim Lesen automatisch die Frage “Inwieweit trage ich dazu bei?”. Wo stehe ich selbst beim Thema Lebensmittelverschwendung? Inwieweit unterstütze ich mit meinem Kaufverhalten die Verpackungswirtschaft? Wie klimafreundlich ist das, was in meinem Kochtopf landet? Das Buch gibt Denkanstöße und Anstöße zum Handeln.

“Mit der in Deutschland jährlich entsorgten Brotmenge könnte ein Bundesland wie Niedersachsen ein Jahr lang versorgt werden.”

Rezension "Die klimafreundliche Küche"
Was du wirklich brauchst: So funktioniert Nachhaltigkeit.

Doch das schlechte Gewissen hält beim Lesen nicht lange an. Ein paar Seiten weiter entdeckt man Möglichkeiten, Alternativen, Lösungen. Und die machen Spaß. Monika Röttgen liefert Ideen, wie man 10 Gemüseklassiker klimafreundlich auf vier Arten verwerten kann (als Pot, als Snack, als To-go-Idee und als Vorrat). Sie zeigt, welche klimasmarten Pflänzchen, oft abfällig Unkraut genannt, sich wie in der Küche einsetzen lassen: “Das Schlaraffenland wächst plastikfrei und ohne Transportwege bis in unsere Küchen.” Zero-Waste-Ideen werden im Buch gleichermaßen serviert wie Anleitungen zum Herstellen von Einkaufstaschen oder Wachstüchern aus alten T-Shirts.

“Wir können nicht alles richtig machen, aber vieles besser”

Gut, geballt und geladen kommt “Die klimafreundliche Küche” daher. Wem dieser Planet nicht ganz egal ist, sollte unbedingt einen Blick hinein werfen. So manche Information mag einem persönlich vielleicht sauer aufstoßen und nicht ganz so bekömmlich sein. Der Nachhaltigkeitseffekt ist jedoch enorm. Beim nächsten Einkauf landet dann vielleicht doch mal eher Dinkel statt Reis im Einkaufskorb. Vielleicht lässt man das Sauerkraut im Plastikbeutel eher liegen und versucht sich selbst im Fermentieren. Auch müssen es nicht die hippen Superfoods von Übersee sein, wenn die heimischen Leinsamen, Johannisbeeren, Brennnesseln und Kohlarten zwar nicht ganz so sexy, aber mindestens genauso gesund sind und das Klima zum Lächeln bringen. Wir alle tragen mit unserem Konsum- und Essverhalten Verantwortung für unsere Umwelt und unsere Erde. Es ist Zeit, dafür einzustehen… Denn wie Monika Röttgen schreibt: “Wir können nicht alles richtig machen, aber vieles besser.”

Rezension "Die klimafreundliche Küche"
  • Monika Röttgen, Die klimafreundliche Küche
  • 1. Auflage 2020
  • Verlag: Freya Verlag
  • Klappenbroschur: 288 Seiten
  • ISBN: 978-3-99025-400-4
  • Preis: 24,99 Euro (D)

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