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Warum ist Wein nicht (immer) vegan?

Interview mit Jungwinzer Konstantin Hassmann von FairGrapes

Werbung – Ein guter Tropfen zu einem guten veganen Essen: Das ist Genuss pur. Da kann auch ich nicht widerstehen! Doch der Genuss wird manchmal getrübt, nämlich dann, wenn sich herausstellt, dass der Wein auf dem Tisch mit tierischen Stoffen geklärt wurde und somit nicht vegan ist. Wenn du dir nun die Frage stellst “Wie kann Wein nicht vegan sein?”, dann kannst du in den folgenden Zeilen noch viel lernen. Jungwinzer Konstantin Hassmann stand mir Rede und Antwort. Er teilt nicht nur Einblicke in die Weinproduktion, er ist auch selbst Liebhaber von veganem Wein – weil der einfach natürlicher ist. Mit dem Start-up FairGrapes, einer Marke für fairen veganen Qualitätswein, setzen er und sein Team ein Zeichen, dass Weingenuss nicht nur schmeckt, sondern auch nachhaltig sein kann. Wer FairGrapes-Wein kauft, unterstützt mit jeder Flasche ein Natur- und Artenschutzprojekt in Deutschland. Mehr dazu verrät der Winzer im Interview.

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Jungwinzer Konstantin Hassmann bei der Weinlese. Bild: FairGrapes

Konstantin, sehr viele Weine sind nicht vegan. Für viele kaum zu glauben, weil doch Trauben drin stecken. Magst du mal kurz erklären, warum Weine oft nicht vegan sind?
Konstantin Hassmann: Wein ist ein Naturprodukt. Besser gesagt, sollte es eins sein. Wie in vielen anderen Bereichen wurde der Weinbau in den letzten Jahrzehnten industrialisiert. Der Ausbau von Weinen benötigt Zeit. Die Industrie hat Methoden entwickelt, um die Zeit zwischen Weinlese und Füllung so gering wie möglich zu halten. Das am häufigsten eingesetzte Schönungsmittel ist Schweinegelatine. Durch die Zugabe klärt sich der trübe Wein in nur wenigen Minuten. Normalerweise wird der Wein auf natürliche Weise durch Sedimentation geklärt. Das ist ähnlich, wie wenn man einen frischen Saft schüttelt und ihn dann stehen lässt. Der Trub setzt sich mit der Zeit ab und oben bleibt der klare Saft über.

Neben Gelatine kommen zum Teil auch andere tierische Zusätze in den Wein. Hühnereiweiß und Bestandteile einer Fischblase werden eingesetzt, um den Wein auf unterschiedliche Art und Weise zu “schönen”. Oft hat dadurch Wein mit einem Naturprodukt nichts mehr zu tun. Das sollte nicht so sein.

Wie verhält es sich in dem Zusammenhang mit Essig und Saft?
Konstantin Hassmann: Bei Saft und Essig verhält es sich ähnlich wie beim Wein. Beide Produkte sind eigentlich von den Inhaltsstoffen vegan. Auch hier wird aber zur Klärung oft auf Gelatine zurückgegriffen. Der Grund auch hierfür: Zeit. Hersteller versuchen ihre Produkte immer schneller auf den Markt zu bringen.

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Spaß bei der Weinlese in den Weinbergen. Bild: FairGrapes

Nun produziert ihr mit eurem Start-up FairGrapes ausschließlich vegane Weine. Wie sieht eine vegane Weinproduktion aus? Worin liegen die Unterschiede? Welche Produktion ist kostengünstiger?
Konstantin Hassmann: Bei FairGrapes bieten wir einen naturbelassenen Wein an. Wir verzichten komplett auf tierische Hilfsstoffe. Wir nehmen uns einfach die Zeit, die der Wein benötigt. Während große Genossenschaften ihre ersten Weine bereits nach ein bis zwei Monaten nach der Weinlese auf den Markt bringen, bleibt bei uns der Wein bis mindestens im März in den Weintanks und Fässern. Dadurch spart man sich nicht nur unnötige und belastende Klärungsverfahren, man steigert auch die Qualität des Weines erheblich. Wenn wir trotzdem mal auf ein Hilfsmittel zurückgreifen müssen, finden wir immer pflanzliche Alternativen. Die sind meistens teurer, aber das sollte nicht das entscheidende Kriterium sein. Insgesamt ist der längere Ausbau der Weine zeit- und kostenintensiver. Aber ein qualitativ hochwertiger Wein kann halt nicht für wenige Euros im Supermarkt zu finden sein.

Warum habt ihr euch für eine vegane Weinproduktion entschieden?
Konstantin Hassmann: Wein ist für uns eins der schönsten und vielseitigsten Naturprodukte, die es gibt. Ein wahres Genussprodukt. Die Vielseitigkeit und Qualität wird aber oft in der Herstellung vernachlässigt. Der Handel will immer mehr standardisierte Weine, die jedes Jahr gleich schmecken. Das ist aber völliger Quatsch. Wein ist von so vielen Umweltfaktoren abhängig. Wir wollen die Vielseitigkeit hervorheben und die können wir nur vermitteln, indem wir es zulassen, dass der Wein im Weinberg entsteht und nicht im Weinkeller. Hierzu zählt eben auch der Verzicht auf Schönungsmittel und besonders der Verzicht auf tierische. Denn die haben im Wein nun wirklich nichts verloren.

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Das Gründerteam von FairGrapes will Weingenuss mit Nachhaltigkeit verknüpfen. Bild: FairGrapes

Nicht alle Weine tragen die Kennzeichnung „vegan“. Weil lediglich im Produktionsprozess tierische Stoffe eingesetzt werden, das Ausgangs- und Endprodukt jedoch keine tierischen Erzeugnisse enthalten, besteht keine Deklarationspflicht. Welche Möglichkeit gibt es, bei ungekennzeichneten Weinen herauszufinden, ob diese vegan oder nicht-vegan sind?
Konstantin Hassmann: Da Wein nicht unter das Lebensmittelgesetz fällt, genießt es als Genussmittel einen Sonderstatus, wenn es um die Deklaration von Inhaltsstoffen geht. Es müssen ausschließlich Allergene ab gewissen Grenzwerten angegeben werden. Aber wie du schon sagst, die tierischen Stoffe werden im Prozess meist wieder herausgefiltert. Dadurch müssen meistens keine Angaben gemacht werden. Wenn man auf Nummer sicher gehen will, sollte man darauf achten, dass der Hersteller kommuniziert, dass seine Weine vegan sind. Oder man kauft direkt bei kleineren Produzenten, wo man am besten den Winzer persönlich fragen kann. Bei Weinen im Supermarkt ist Vorsicht geboten. Meistens sind diese nicht vegan, auch wenn sie mit “bio”, “naturnah” oder anderen schönen Zertifizierungen bestückt sind.

Glaubst du, dass es einen Trend hin zur veganen Wein-Produktion gibt und wenn ja, woran machst du den fest?
Konstantin Hassmann: In den letzten Jahren wurde ja über  viele Lebensmittel und Kosmetikprodukte und deren Herstellungsprozesse diskutiert. Davon wird die Weinbranche auch nicht verschont bleiben. Umso mehr Menschen erstmal wissen, dass Wein nicht immer vegan ist, desto mehr wird veganer Wein gefordert werden. Ich finde das gut, denn dadurch wird kleinen Produzenten wieder mehr Beachtung geschenkt. Die großen Abfüller und Weinhandelshäuser werden ein Problem kriegen. Denn die wissen gar nicht, wie sie ihre Billigweine vegan herstellen können.

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Durch den Verkauf des Rieslings werden mit dem Traktor Blühwiesen für Bienen und weitere Insekten gesät. Bild: FairGrapes

Nun sind eure Weine nicht nur vegan – also fair gegenüber dem Tier – sondern, wie der Name FairGrapes schon sagt, auch fair der Natur gegenüber. Mit dem Kauf von jeder Flasche unterstützt man bei euch automatisch ein Naturschutzprojekt. Wie kamt ihr auf die Idee, mit Wein der Natur Gutes zu tun?
Konstantin Hassmann: Mit jeder Flasche Wein nehmen wir ein Stück von unserer Natur. Wie bei vielen anderen Produkten auch. Uns ist aufgefallen, dass wir eigentlich immer nur nehmen und der Natur im Verhältnis nur sehr wenig zurückgeben. Immer mehr Landwirtschaftsflächen werden in Monokulturen bewirtschaftet und der Einsatz von Pestiziden ist so schädlich. Wir wollen der Natur mit jeder Flasche Wein danken, indem wir an anderer Stelle Natur- und Artenschutzprojekte unterstützen und so einen fairen Ausgleich schaffen. Das Konzept sollte auf alle Konsumbereiche übertragen werden. So könnten wir zusammen viel erreichen und gegen das Artensterben und den Klimawandel ankämpfen. Wir unterstützen zusammen mit unseren Kunden unterschiedliche Projekte. Mit unserem Silvaner hilft man bei der Aufforstung klimastabiler Mischwälder in Deutschland, unser trockener Riesling sät Blühwiesen für Bienen und Insekten und unser feinherber Riesling unterstützt den Ausbau von Feuchtbiotopen. Wir wollen mit unseren Weinen einen positiven Impact auf unsere Natur haben. Wir wollen mehr geben, als wir von ihr nehmen.

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Wein, der der Natur etwas zurückgibt: Weine von FairGrapes. Bild: FairGrapes

Der ökologische Fußabdruck von Wein selbst ist nicht zu vernachlässigen: Der Weintrauben-Anbau benötigt viel Land, wenn man das Verhältnis zum Ertrag betrachtet. Außerdem wird für den Anbau verhältnismäßig viel Wasser verbraucht. Ein Liter Wein erzeugt etwa einen Kilogramm CO2: Was macht ihr, um CO2 im Anbau und der Herstellung einzusparen?
Konstantin Hassmann: Wir arbeiten bereits daran, unsere Weine CO2-neutral zu zertifizieren. Hierbei wollen wir CO2 einsparen, wo es geht, und den Rest vor Ort im Weinberg mit einer alten indigenen Methode kompensieren. Hierbei wird Pflanzenkohle in Form von “Terra Preta” im Weinberg ausgefahren. In der Pflanzenkohle ist viel Kohlenstoff gespeichert, der wieder im Weinbergsboden versenkt wird. Das bindet aktiv CO2, düngt sogar noch die Reben und hilft beim Aufbau von Humus. Eine wirklich zielführende Methode, um aktiv etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. Der Zertifizierungsprozess ist aber langwierig, da genau errechnet und gemessen werden muss, wie viel CO2 ausgestoßen wird, und wie viel wir am Ende tatsächlich wieder in den Boden einbinden. Wir wollen es aber noch dieses Jahr mit der Zertifizierung fertig werden.

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Weinlese auf dem Hendlberg. Bild: FairGrapes

Bislang gibt es bei euch drei Weine im Sortiment – allesamt ein Genuss für Weißweintrinker. Welche Pläne habt ihr, euer Sortiment zu erweitern und damit vielleicht auch den Rotwein- und Roséliebhabern einen edlen Tropfen anbieten zu können?
Konstantin Hassmann: Unser erster Rotwein ist vor wenigen Tagen gelauncht worden. Hier haben wir einen echt leckeren Spätburgunder zusammen mit dem Winzer Stefan Huschle aus Baden kreiert. Hier unterstützen wir mit der Flasche ein Fledermausprojekt in Thüringen. Konkret wollen wir zusammen mit der Stiftung Fledermaus die Kleine Hufeisennase vor dem Aussterben retten. Diese Art ist nämlich ganz weit oben auf der Liste und erfährt nicht die nötige Aufmerksamkeit in der Gesellschaft. Wir wollen das ändern. Ein Rosé ist auch noch dieses Jahr im Frühjahr geplant. Hier sind wir noch auf der Suche nach einem sinnvollen und spannenden Projekt.

Und noch eine Frage zum Abschluss: Was macht in deinen Augen einen guten Wein aus?
Konstantin Hassmann: Ein guter Wein ist meiner Meinung das Ergebnis von Leidenschaft und harter Arbeit. Es gibt so viele klasse Winzer in Deutschland, die noch in Handarbeit ihre Weinberge pflegen. Wir wollen diese leidenschaftlichen Charaktere finden und ihnen mit FairGrapes zu mehr Bekanntheit verhelfen und ihnen die Aufmerksamkeit schenken, die sie verdienen.

Anmerkung: Der Beitrag ist in Kooperation mit FairGrapes entstanden. Der Inhalt basiert auf meinen eigenen Eindrücken. Meine Meinung wurde weder erkauft noch beeinflusst.

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