vegane Wachstücher

DIY: Vegane Wachstücher selbstgemacht

So bastelst du dir deine nachhaltige Alternative zu Alufolie und Co.

Nahezu täglich ist es im Einsatz: das vegane Wachstuch, das ich mir vor zwei Jahren auf einer Veggie-Messe gegönnt habe. Es war furchtbar teuer. Daran erinnere ich mich noch so gut, weil ich damals am Messestand lange hin und her überlegt habe, ob ich tatsächlich 14 Euro in ein Wachstuch investieren sollte. Der Umwelt zuliebe habe ich es getan – und nicht bereut. Denn ich will ehrlich zu dir sein: Man kann noch so sehr Ökotante sein: Es ist schwer, einen Bogen um Alufolie und Frischhaltefolie zu machen. Denn immer wieder fällt mal ein Essensrest an, den man sich auf den Teller legt, um ihm am nächsten Tag aufzuwärmen. Immer wieder öffnet man eine Konserve, die man nicht sofort auf einmal leert. Immer wieder schnippelt man ein Stück von einer Salatgurke ab und will nicht, dass die Schnittstelle austrocket. Was macht man also? Der schnelle Griff geht automatisch zu Alufolie und Co.

Auch ich bin davor nicht gefeit. In meinen Low-Waste-Tipps für mehr Nachhaltigkeit in der Küche habe ich dir zwar schon das Küchenkondom vorgestellt, das eine sinnvolle Alternative zum Abdecken von angeschnittenem Gemüse und offenen Konserven darstellt: Für große Behältnisse oder Teller hatte ich bis zu dem Messebesuch jedoch keine Alternative. Mein schlechtes Gewissen beim Griff zur Alufolie versuchte ich damit zu stillen, indem ich die Alufolie einfach mehrfach verwendete: Nach dem Einsatz wurde sie mit einem Lappen gesäubert, schön zusammengelegt und in die Schublade verfrachtet, wo sie auf den nächsten Einsatz wartete.

vegane Wachstücher
Vegane Wachstücher sind nicht nur hübsch anzusehen, sondern in der Küche echt praktisch. Sie sind eine nachhaltige Alternative zu Alufolie und Co.

Vegane Wachstücher: wenig Materialien, viel Geduld!

Der Kauf des veganen Wachstuchs hat sich also hinsichtlich Low-Waste auf jeden Fall gelohnt. Aber auch damit stößt man an seine Grenzen: Mit einem Tuch kommt man nicht immer aus. Deshalb habe ich mir gedacht: Warum versuchst du nicht einfach mal, vegane Wachstücher selbst zu basteln? Das kann doch gar nicht so schwer sein! Ist es auch nicht, glaub’ mir. Du brauchst nicht viele Materialien. Aber: Du brauchst Zeit und Geduld! Vegane Wachstücher machen sich nicht mal eben ruckizucki nebenbei. Es ist aufwendig und die Küche musst du danach auch gründlich sauber machen. Denn wo gehobelt wird, fallen Späne! Aber spätestens dann, wenn du einmal ein Wachstuch selbst gemacht hast, weißt du, warum sie im Verkauf so teuer sind, und weißt dein veganes Wachstuch umso mehr zu schätzen.

Übrigens: Ich habe zwei Methoden getestet, um vegane Wachstücher zu basteln. Beim ersten Versuch kamen Wasserbad und Bügeleisen zum Einsatz. Für Bienenwachs mag diese Methode die bessere sein. Für vegane Wachstücher nicht. Denn die Schmelztemperatur von pflanzlichen Wachsen, wie Carnaubawachs, ist unendlich hoch. Ergo: Sobald du etwas von dem im Wasserbad geschmolzenen Wachs auf den Pinsel aufträgst, trocknet es dort schneller an, als du es auf deinem Baumwolltuch verteilen kannst. Deshalb stelle ich dir in diesem DIY die Backofen-Methode vor, die ich bevorzuge.

Was du für vegane Wachstücher brauchst:

Material Werkzeug
  • Stoff(reste) aus 100% (Bio-)Baumwolle ohne Elasthan
  • Bio-Carnaubawachs
  • Bio-Kokosöl
  • Backpapier
  • Lineal
  • Bleistift
  • (Stoff-)Schere
  • Teelöffel
  • Küchenschaber
  • Zick-Zack-Schere
vegane Wachstücher
Viel brauchst du für das Basteln von veganen Wachstüchern nicht. Neben den Materialien ist vor allem Geduld gefragt.

 

Schritt-für-Schritt-Anleitung

1. Schritt: Stoff zurechtschneiden

Bevor du loslegst, solltest du den Stoff mit einem schonenden Waschmittel waschen und bügeln.

Überlege dir, welche Größe dein Wachstuch haben soll und für welche Zwecke du es verwenden willst. Zum Abdecken von Essensresten auf großen Tellern eignet sich eine Größe von 30 x 30 cm gut. Wenn du Kuchenteller damit abdecken magst, ist eine Größe von 25 x 25 cm ausreichend. Zum Abdecken von Konserven oder Schnittstellen von Gemüse dürfen die Wachstücher sogar noch kleiner sein.

Zeichne die entsprechenden Maße auf deinem Stoff ein und schneide diesen zurecht. Am besten funktioniert das mit einer Stoffschere – eine normale schafft es aber auch.

vegane Wachstücher
vegane Wachstücher

2. Schritt: Wachs auftragen

Heize den Backofen auf 140 Grad Heißluft vor. Lege nun dein Stoff mit der Unterseite nach oben auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech.

Verteile gleichmäßig das Bio-Carnaubawachs auf der Tuchunterseite und träufle mit einem Löffel etwas Bio-Kokosöl dazu. Es verleiht deinem Tuch später die nötige Geschmeidigkeit. Welche Menge an Wachs du pro Tuch benötigst, findest du schnell selbst heraus. Das Bild links zeigt dir, wie dicht ich das Wachs auflege. So reicht es bei mir für ein Tuch aus.

3. Schritt: Wachstuch erhitzen

Das Backblech mit dem Wachstuch dann für einen kurzen Augenblick in den vorgeheizten Ofen geben. Mehr als drei Minuten sollte es nicht dauern, bis das Wachs geschmolzen ist. Am besten das Ganze aus der Nähe beobachten und das Backblech sofort aus dem Ofen nehmen, sobald das komplette Carnaubawachs geschmolzen ist.

vegane Wachstücher
vegane Wachstücher

4. Schritt: Wachs-Öl-Gemisch verteilen

Unmittelbar danach ein weiteres Stück Backpapier auf die nun beschichtete Unterseite des Wachstuches legen und das flüssige Wachs-Öl-Gemisch mit einem Küchenschaber gleichmäßig auf dem Tuch verteilen. Vorsicht: heiß!

5. Schritt: Wachstuch vom Backpapier lösen

Damit du dir nicht die Finger verbrennst, solltest du einen Augenblick warten, ehe du das obere Backpapier von dem Wachstuch abziehst. Du wirst auf den ersten Blick sehen, ob das Tuch gleichmäßig mit einer hauchdünnen Wachsschicht überzogen ist, oder ob an einzelnen Stellen noch der blanke Stoff hervorscheint. In letzterem Fall einfach noch etwas Wachs auftragen und die oberen Schritte wiederholen.

Keine Sorge: Nach den ersten paar Wachstüchern gewinnst du schnell Routine und ein Gespür dafür, wie viel Wachs du für ein Tuch brauchst.

vegane Wachstücher
vegane Wachstücher

6. Schritt: Wachstuch aufhübschen

Das Wachstuch nun auf einer glatten Oberfläche auskühlen lassen. Anschließend kannst du die Ränder des Tuches mit einer Zick-Zack-Schere bearbeiten, so dass das vegane Wachstuch noch ein bisschen hübscher aussieht. Im Anschluss kannst du das Wachstuch sofort verwenden.

Deine Pflegeanleitung für vegane Wachstücher

Damit du möglichst lange Freude an deinem veganen Wachstuch hast, solltest du es gut pflegen. Was heißt das genau?

  • Säubere dein Wachstuch nach jedem Gebrauch mit etwas Spülmittel und einem feuchten Lappen.
  • Lass dein veganes Wachstuch gut trocknen, ehe du es bis zum nächsten Gebrauch in die Schublade packst.
  • Die beste Möglichkeit, dein veganes Wachstuch zu lagern: einfach einrollen anstatt zusammenzufalten.
  • Hände weg von rohem Fleisch und Fisch! Die spielen in der veganen Küche keine Rolle. Sie können Keime im Wachstuch hinterlassen, die sich darin wild vermehren.
  • Willst du dein veganes Wachstuch für geruchsintensive Lebensmittel verwenden, z.B. um eine halbe Zwiebel abzudecken, dann verwende dieses Wachstuch am besten ausschließlich für diesen Zweck.

 

Nach mehrmaligem Nutzen wirst du merken, dass dein veganes Wachstuch nicht mehr ganz so frisch aussieht, es Falten bekommt und die Haftkraft nachlässt. Kein Grund, es zu entsorgen. Stattdessen kannst du ihm eine Erfrischungskur verpassen.

  • Packe das Wachstuch zwischen Backpapier und bügle es kurz (ohne Dampf) auf. Durch die Hitze des Bügeleisens, wird die Wachsschicht wieder geschmeidig und lässt sich beim Bügeln neu verteilen.
  • Bei fehlender Haftkraft hilft nur nachwachsen: Orientiere dich an den Anleitungsschritten oben und gib einfach etwas neues Carnaubawachs und Öl auf dein Wachstuch, das du dann in den Stoff wie oben beschrieben einarbeitest.
vegane Wachstücher
Vegane Wachstücher eignen sich super, um Essensreste auf Tellern abzudecken, Konserven zu verschließen oder angeschnittenes Gemüse vor dem Austrocknen zu schützen. Auch dein Pausenbrot kannst du darin problemlos einwickeln.

Nicht wegwerfen, sondern weiterverwenden

Die Materialien, die du für das DIY einsetzt, kannst du übrigens mehrfach verwenden. Das Backpapier reicht für die Herstellung mehrerer Wachstücher aus. Die überschüssigen getrockneten Wachs-Öl-Reste, die am Backpapier haften, einfach abnehmen und beim Basteln des nächsten Wachstuchs verwenden. So kannst du nicht nur Material und Geld sparen, so arbeitest du vor allem nachhaltig. Denn das ist schließlich der Grund, warum du überhaupt vegane Wachtücher bastelst, oder? Für weniger Müll und mehr Zukunft!

Hast du Fragen zum Basteln von veganen Wachstüchern? Lass mir gerne einen Kommentar da.

Comments (4)

  • Maria Herr

    Ich finde die Idee mega super und wuerde sie gerne ausprobieren. Allerdings habe ich in der Beschreibung nicht gelesen wo du das Carnaubawachs gekauft hast. Es waere super, wenn du deine Quelle mit mir teilen wuerdest. Alles Liebe, Maria

    • Vanessa Schäfer

      Liebe Maria,

      danke für dein Interesse an den Wachstüchern. Die sind echt tolle Alltagsbegleiter in der Küche!
      Mein Carnaubawachs habe ich von Dragonspice Naturwaren bezogen.
      Vielleicht magst du da auch mal stöbern. Bin mit dem Shop sehr zufrieden.

      Ganz liebe Grüße
      Vanessa

  • Jasmin

    Ob das auch Candelillawachs funktioniert? Es hat einen niedrigeren Schmelzpunkt als das Carnaubawachs.

    • Vanessa Schäfer

      Hallo Jasmin,

      ein Versuch ist es wahrscheinlich wert. Habe leider keine Erfahrungen mit Candelillawachs, kann mir aber vorstellen, dass es funktioniert.
      Unter Umständen ein bisschen weniger Kokosöl zugeben, wenn das Wachs an sich schon geschmeidiger ist.
      Bin auf dein Ergebnis gespannt. Halt mich gerne auf dem Laufenden.

      Liebe Grüße und gutes Gelingen
      Vanessa

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