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„Bist du jetzt vegan?!“

Mein veganer Selbstversuch geht in die nächste Runde

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Im Leaf-Food lässt es sich auch außer Haus gut vegan essen.

Es ist passiert. Einfach so. Ohne darüber nachzudenken. In meinem Beitrag „Veganer auf Zeit“ hatte ich dir ja schon angekündigt, dass es nicht bei dem einwöchigen Selbstversuch bleiben würde. Ich wollte es wissen: Wie verändert sich mein Körper, meine Haut und mein Gemüt, wenn ich über einen Zeitraum von einem Monat auf Produkte mit tierischen Inhaltsstoffen verzichten würde? Wie du weißt, bin ich ein großer Fan von Herausforderungen, die einen dazu zwingen, die Komfortzone zu verlassen. Und so ging mein veganer Selbstversuch in Runde zwei.

Das Experiment startete am 15. Oktober 2017. Nicht von ungefähr habe ich den Termin so gewählt. Es standen keine Feiern, keine Auswärtstermine und keine Urlaube an – perfekt, um nicht unnötig in Versuchung zu kommen, dachte ich mir. Außerdem war ich nach unserer Wien-Reise erst einmal so gesättigt, dass es mir irgendwie richtig vorkam, danach mit meiner veganen Fastenkur zu beginnen. Wenn du Veganer bist, magst du jetzt vielleicht aufschreien. Aber ich habe mir von vornherein drei Dinge ausgesucht, die ich weiterhin konsumieren würde – ohne mir Gedanken darüber zu machen, ob sie denn nun vegan sind oder nicht: Fruchtsäfte, Alkohol und Honig, sofern er in einem verarbeiteten Produkt enthalten sein sollte.

Henkersmahlzeit am Abend zuvor

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Henkersmahlzeit: Mein Freund hat Kartoffelgratin für mich gemacht.

Diesmal hatte ich mich auf den Selbstversuch vorbereitet. Süße Versuchungen? Kein Problem: Nach einem Großeinkauf im Biomarkt war mein veganer Süßigkeitenvorrat aufgefüllt. Gelüste nach Käse? Für den Fall hatte ich mir einen veganen Streichkäse mitgenommen. Bevor es los ging, hat mir mein Freund am Abend zuvor noch eine wahre Henkersmahlzeit zubereitet: Kartoffelgratin. Es war lecker – und es war das letzte Mal, dass ich echten Käse gegessen habe.

Ja, du hast richtig gelesen. Inzwischen ist der 30. November. Mein veganer Selbstversuch ist seit über zwei Wochen Geschichte. Aber die vegane Reise geht weiter. Warum? Weil es mir aktuell an nichts fehlt. Weder habe ich Lust auf Vollmilchschokolade noch auf Gouda oder Parmesan. Meine Tage als Käse-Junkie scheinen der Vergangenheit anzugehören. Die Casomorphin-Abhängigkeit scheint überwunden 🙂

Veganer oder Nicht-Veganer, das ist hier die Frage

„Bist du jetzt Veganer?!“ Halb fragend, halb anklagend höre ich diese Frage momentan fast täglich. Ja? Nein? Ich weiß es nicht. Es ist so wie damals, als ich Vegetarier wurde. Die ersten Monate habe ich mich nie als Vegetarier betitelt. Einfach, weil ich mir nicht sicher war, ob meine Ernährungsweise von Dauer sein würde oder nicht. Ähnlich ist es auch jetzt. Es ist mir persönlich ziemlich egal, ob ich Veganer bin oder nicht. Ich verzichte auf tierische Produkte, ja. Aber ich muss dem Kind nicht zwangsläufig einen Namen geben, oder? Für das Umfeld scheint das irgendwie weit wichtiger zu sein als für einen selbst. Es ist so, als ob es nur ein Schwarz-Weiß-Denken gibt. Veganer oder Nicht-Veganer, das ist hier die Frage. „Darfst du das essen?“, höre ich regelmäßig, wenn irgendwer irgendetwas auf den Tisch stellt. Als ob es einen Guru gäbe, der Veganern vorschreibt, was sie essen dürfen und was nicht.

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Gerüstet für den zweiten Selbstversuch: Die Einkäufe vom Bioladen machen vieles leichter.

Seit Ende meines Selbstversuchs habe ich für mich folgenden Entschluss gefasst: zu Hause ausschließlich vegan (bis auf Säfte und Alkohol), außer Haus vegan, wenn die Option besteht. Ansonsten vegetarisch. Magst du wissen, weshalb ich diese Entscheidung gefällt habe? Zum einen, weil ich niemanden vor den Kopf stoßen will. Zum anderen, weil ich mich selbst nicht unnötig stressen und unter Druck setzen mag. Bin ich etwa privat eingeladen und jemand bereitet extra für mich etwas Vegetarisches zu, fände ich es unhöflich, abzulehnen und zu sagen: „Nee du, ich bin jetzt Veganer.“ Steht ein Restaurantbesuch an, will ich nicht diejenige sein, die an jedem Restaurant etwas auszusetzen hat, weil es außer Salat nichts Veganes auf der Karte gibt. In den ländlichen Gegenden ist es oft schon schwer genug, etwas Vegetarisches in den Speisekarten von Gasthäusern zu entdecken. Da beide Situationen relativ selten auftreten, kann ich das mit mir vereinbaren.

Lauern nicht überall Versuchungen?

Seit Ende meines Veganer-Testmonats hat es bisher genau eine Gelegenheit gegeben, in der ich eingeknickt bin. Versuchungen gab es durchaus häufiger. Etwa als mein Chef Kuchen vom besten Konditor der Stadt besorgt hat, um ein Goal zu feiern. Sah verdammt lecker aus. Aber es fiel mir nicht schwer zu widerstehen. Oder die ganzen weihnachtlichen Leckereien, die momentan in jeder Ecke lauern. Der Duft frisch gebackener Waffeln. Der Geruch von Überbackenem in der Firmenküche in der Mittagspause. Alles kein Problem. Was ich jedoch nicht übers Herz gebracht habe, war, den Inhaber eines indischen Restaurants vor den Kopf zu stoßen.

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Ausnahmen erlaubt: Den Nachtisch beim Inder lehne ich nicht ab.

Dienstessen in München nach einem anstrengenden Messetag. Der beste Inder überhaupt. Große Auswahl an veganen Speisen. Vorspeise vegan. Hauptgericht vegan. Eigentlich satt. Dann bietet uns jedoch der Inder einen Nachtisch aufs Haus an. Weil er ein Menschenfreund ist. Weil er ein Gastfreund ist. Selbst gemachten Joghurt mit Kardamom und Safran mit Mangopüree und frischem Obst tischt er für jeden von uns auf. Es wäre unhöflich, das abzulehnen. Deshalb habe ich genau diese Ausnahme zugelassen, eine Weile hinterher noch darüber nachgegrübelt und dann für mich entschieden: Vanessa, es war okay. Es war eine besondere Situation. Du hast dir Ausnahmen außer Haus zugestanden. Und das war eine.

Es fühlt sich inzwischen normal an

Ansonsten kann ich dir nicht viel Neues berichten. Es fühlt sich inzwischen normal für mich an, mich so zu ernähren. Zugegeben, ich bin nicht so fit wie bei meiner ersten Vegan-Woche. Aber das bin ich im Winter selten. Am liebsten wäre ich ein Tier und würde bis zum Frühjahr Winterschlaf halten. Im Ernst. Ich bin absolut kein Winter-Freund. Die Kälte macht mir ziemlich zu schaffen. Deshalb überrascht es mich umso mehr, dass ich – toi, toi, toi – bisher der Erkältungs- und Grippewelle standgehalten habe. Ein Großteil meines Umfeldes war die letzten Wochen erkältet. Ein paar Mal war ich sicher, auch bei mir erste Anzeichen für eine Erkältung zu spüren. Aber nichts. Entweder waren – bedingt durch die vegane Ernährung – die Symptome nicht sehr stark ausgeprägt. Oder mein Immunsystem konnte – bedingt durch die vegane Ernährung – die Erkältung in ihre Schranken weisen. Jedenfalls bin ich gesundheitlich und auch sportlich derzeit wohlauf und habe durch die Umstellung meiner Essensgewohnheiten keinerlei Probleme. Es ist halt passiert. Einfach so. Ohne darüber nachzudenken. Nur auf eine Frage habe ich immer noch keine Antwort gefunden. Und die lautet: „Bist du jetzt Veganer?!“

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